"Gesichter sind für mich Scheiben"

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„Es gab Zeiten, in denen ich sehr verzweifelt war. Das Gefühl der Hilflosigkeit, wenn ich mich nicht zurechtfinde, macht mich wütend“, sagt Veronika K. „Als hochgradig sehbehinderter oder blinder Mensch muss man immer mutig sein und lernen, sich fremde Hilfe zu holen.“

„Gesichter sehe ich als Scheiben. Körper sind für mich Silhouetten ohne Gesichter. Ich erkenne nicht einmal, ob jemand eine Brille trägt“, erzählt die 72-Jährige. „In den letzten zwei Jahren ist meine Sehkraft viel schlechter geworden. Es ist wahrscheinlich, dass ich vollständig erblinde. Im Dunkeln ist es jetzt schon sehr schwierig.“ Doch Frau K. lässt sich nicht entmutigen. „Über die Hilfsgemeinschaft habe ich ein Mobilitätstraining beantragt. Ich will lernen, mit dem Langstock zu gehen. Ich muss immer vorausdenken, damit ich mit der abnehmenden Sehkraft umgehen kann.“

Probleme im Alltag

„Wenn ich Lebensmittel einkaufen gehe, weiß ich genau wo etwas liegt. Beim Gewand brauche ich jemanden, der mir hilft. Ins Restaurant gehe ich auch nicht alleine, da ich die Speisekarte nicht lesen kann“, schildert Veronika K. ihren Alltag. „Ich wünsche mir ein größeres Bewusstsein für Behinderungen und Normalität im Umgang mit Blinden und Sehbehinderten!“

Theater ist ihre Leidenschaft

Frau K. engagiert sich seit Langem freiwillig in der Hilfsgemeinschaft. Sie leitet unter anderem die „Jägerstraßler“, die Theatergruppe unserer sehschwachen und blinden Mitglieder. Sie arbeitet Stücke um und organisiert Auftritte. Begeistert nutzt sie auch das Theater4all-Angebot: „Das ist toll. Während des Stückes werden über Kopfhörer Bühnenabläufe und Details erklärt.“ Zum Beispiel Gestik und Mimik, die Blinden und Sehbehinderten ansonsten entgehen.

Theateraufführung in der Hilfsgemeinschaft mit 6 verkleideten Schauspielern
Die Theatergruppe führt das Stück „Der zerbrochene Krug“ auf

Aktiv leben mit Sehbehinderung
„In der Hilfsgemeinschaft fühle ich mich sehr wohl. Ich bin seit 37 Jahren Mitglied der Hilfsgemeinschaft. Wenn ich Hilfe brauche, weiß ich, dass mir geholfen wird. Das gibt mir Sicherheit.“ Ihre Freude an Bewegung und ihre Neugierde helfen ihr dabei, selbstständig und fit zu bleiben. „Ich stelle mich gerne Herausforderungen und probiere Neues aus. Außerdem gehe ich spazieren, wandern und tanzen.“