Wir erinnern uns

Dienstag, 30. Januar 2018 - 12:59

Ein intensives Leben mit Sehbehinderung

Prof. Dr. Gertraut Motzko 1924 – 2016

Ein Blogbeitrag von: Silvia Mayrhofer

Wenn ein Mensch mit derartig vielseitigen Interessen nach einem langen Leben von dieser Welt geht, dann geht dieser Mensch nicht spurlos. Zurück bleiben hochinteressante Fotos und Reiseberichte, die Erinnerungen an ihre Vorträge an der Wiener Urania, zigtausende Briefe aus der ganzen Welt in fünf Sprachen und wohl einige Tausend Schülerinnen und Schüler, die Frau Prof. Motzko an der damaligen Handelsakademie der Wiener Kaufmannschaft – der heutigen Vienna Business School – in Deutsch und Englisch unterrichtet hat.

Gertraut Motzko (1. Reihe Mitte) mit ihren Schülerinnen und Kolleginnen an der Handelsakademie 1960-1961.
Gertraut Motzko (1. Reihe Mitte) mit ihren Schülerinnen und Kolleginnen an der Handelsakademie 1960-1961.

Zurück bleibt aber auch ein Vermächtnis an die Hilfsgemeinschaft. Zeitlebens Brillenträgerin, als leidenschaftliche Leserin, Fotografin und Schreiberin aber oft mit ihrer Fehlsichtigkeit konfrontiert, war für sie das Thema ‚Sehen‘ immer sehr präsent.

Dr. Gertraut Motzko war jahrzehntelang unterstützendes Mitglied der Hilfsgemeinschaft und Spenderin bereits seit den späten 1940iger-Jahren.

Auch wenn Gertraut Motzko bis an ihr Lebensende in ihrem Geburtshaus wohnte, war sie eine begeisterte Reisende: alle Länder rund um das Mittelmeer inklusive Ägypten und Marokko, die Kanaren und die Balearen, ihre geliebte Schweiz und Großbritannien, wo sie während des Krieges ein Jahr verbracht hatte. Frau Auguste Maslo, die ihr über 27 Jahre eine treue Freundin war und sie oft begleitete, verrät zwei liebenswerte Ticks: Frau Professor Motzkos T-Shirt – Sammlung wurde nach jeder Reise noch ein bisschen größer. Und auf jeder Reise wurde die geliebte Zitronenpresse mitgeschleppt. ‚Essen ist Nebensache, wichtig ist der Geist.‘, lautete schon in ihrem Elternhaus die Maxime. Das in ihrer Kindheit geweckte Interesse an Musik und Kunst prägte Gertraut Motzkos ganzes Leben, ihre Neugier auf das Leben und ihre Offenheit für Neues erweiterten ihr Wissen ständig.

Wer sich nun aber eine strenge, abgehobene Frau Professor vorstellt, der irrt gewaltig. Sie war einerseits ein sehr mitfühlender Mensch mit großem Herz für Tiere, aber auch eine lustige Person, die auch gemütliches Häkeln zuhause und ihre große Teddybärensammlung liebte. Durch ihre Freundschaft zu einem Geologen entwickelte sich ihr Interesse für Mineralien.

Gertraut Motzko in einem roten Kleid von ihren Teddybären umgeben.
Gertraut Motzko von ihren geliebten Teddybären umgeben.

Ihre glühende Leidenschaft war die Oper, allein ‚Elektra‘ besuchte sie 44mal und führte darüber genauso akribisch Tagebuch wie über ihre Reisen. Bis zum Schluss war Musik ihr Lebenselixier, noch in den letzten Wochen ihres Lebens besuchte sie ein Konzert.

An den schweren Krankheiten ihrer letzten Jahre verzagte Gertraut Motzko manchmal. Dass sie die Beine im Stich ließen, war für sie schwer zu verkraften. Ihre Freundin Auguste Maslo erzählt eine Geschichte aus dieser Zeit: „An ihrem 90. Geburtstag lag Gertraut im Spital. Ich habe sie besucht und ihr vorgeschlagen, ins Krankenhaus-Cafe zu gehen. Was sie nicht wusste: dorthin hatte ich alle ihre Freunde und Bekannten zu einer Überraschungsparty bestellt. Als sie hineinkam, wurde geklatscht, Glückwünsche und Geburtstagsbussis kamen von allen Seiten, danach gab es Geburtstagstorte. ‚Das war der schönste Geburtstag meines Lebens!‘, sagte sie mir nachher.“

Wir erinnern uns dankbar an eine schillernde Persönlichkeit, einen großzügigen und warmherzigen Menschen, an eine treue Freundin, an eine kluge und belesene Frau: Dr. Gertraut Motzko.

Danke!

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Silvia Mayrhofer, Tel. 01 / 330 35 45-39, E-Mail

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