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Unvergessen

Blog, Kunst & Kultur

Wenn die Tage kürzer werden, gedenkt die Hilfsgemeinschaft ihren verstorbenen Testamentsspenderinnen und -spendern. Bei einer traditionellen Grabtour in und um Wien werden 35 Gräber gepflegt, geschmückt und mit Kerzen erleuchtet. Ein persönlicher Besuch, der Danke sagt – und daran erinnert, dass Menschen, die im Herzen weiterleben, nie vergessen werden.

Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen kräftig sinken, stehen Allerheiligen und Allerseelen vor der Tür. In diesen Tagen gedenkt die Hilfsgemeinschaft besonders allen verstorbenen Testamentsspenderinnen und -spendern.

Es ist eine liebgewonnene Tradition, kurz vor den Feiertagen all jene Menschen zu besuchen, die unsere Organisation zu Lebzeiten großzügig bedacht haben. Heuer wurden 35 Gräber auf 18 Friedhöfen in und um Wien besucht. Schon Tage zuvor wird das Auto mit Putzmitteln, Kübeln, Besen, Scheren, Seidenblumen, Kerzen und Dokumentationsmaterial beladen. Denn die Gräber sollen nicht nur geschmückt, sondern auch baulich überprüft werden. Außerdem kontrollieren wir, ob die Gärtnerarbeiten gemäß den Vereinbarungen erfolgt sind.

Andenken bedeutet erinnern

Nicht jede Erblasserin und jeder Erblasser der Hilfsgemeinschaft ist uns persönlich bekannt. Doch alle Menschen, die schon zu Lebzeiten mit uns in Verbindung standen, werden bei diesen traditionellen Grabbesuchen wieder ein Stück weit in unsere Mitte genommen.

Oft tauchen dabei Anekdoten aus der Erinnerung auf. So bekommt der Besuch eine tröstliche und mitunter sogar humorvolle Note – fern von jeder Tristesse. Besonders bewegend ist es, wenn wir die einzigen Besucherinnen und Besucher an einer Grabstelle sind und die ausgebrannten Grabkerzen des Vorjahres gegen neue tauschen. Dabei wissen wir: Auch dieses Licht wird verlöschen. Die Hülle wartet ein Jahr darauf, bis wir wieder zur Grabstelle kommen und das Ritual fortsetzen.

An diesen beiden Tagen werden viele Kilometer zurückgelegt – meist mit überschwappenden Wasserkübeln. Die Gräber werden gereinigt, gepflegt und anschließend mit Blumen geschmückt.

Bei jedem Wetter

Der Wettergott hat nicht immer ein Einsehen mit unserem Tun: Von strahlendem Sonnenschein und milden Temperaturen bis zu Sturm, Regen und sogar Schneefall kann alles dabei sein. Nach diesen beiden Tagen spürt man sich selbst sehr intensiv – und manchmal auch dort, wo man sich bisher noch nicht bewusst gefühlt hat.

Trotzdem macht die Grabtour Freude. Freude daran, Danke zu sagen – auch noch nach Jahren. Freude daran, ein Versprechen immer wieder einzulösen: vorbeizukommen und diese Menschen nicht zu vergessen.

Denn wer im Herzen eines anderen weiterlebt, ist nicht vergessen. Das gilt ebenso für die Gaben, die Menschen gemeinnützig als Vermächtnis hinterlassen. Unser Slogan „Werden Sie ein Teil von uns – auf ewig“ bekommt dadurch eine ganz besondere Bedeutung. Es sind nicht nur Worte: Es ist die Lebenseinstellung und Wertschätzung der Hilfsgemeinschaft, allen Wohltäterinnen und Wohltätern so zu danken, dass ihr Andenken gewahrt bleibt.

Heute, morgen und für immer.