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ÖBB-Behindertenbeauftragter Christian Schwarzl

Mobilität

Christian Schwarzl geht in Pension. Der St. Pöltner ist seit vielen Jahren bei der ÖBB
Personenverkehr Barrierefreies Reisen kompetenter Ansprechpartner für alle Fragen zur Barrierefreiheit und die Anliegen von Menschen mit Behinderungen.

Christian Schwarzl hat am 1. Sep tember 1980 bei der ÖBB zu arbei ten begonnen. Bis zum 3. Oktober 1987 arbeitet er als Schaffner und im Verschub. Bis zu jener Nacht, die sein Leben verändern sollte. Im Gespräch kann er heute noch alles ganz genau erzählen. „Es war Unachtsamkeit“, sagt er abgeklärt. Und erzählt, wie das war, als er da ins Gleisbett gefallen ist und zunächst geglaubt hat, er ist in einem bösen Traum. Und wie sein zweiter Gedanke war: „Jetzt gibt es einen Amputierten mehr.“

Wiedereingliederung in den Job

Doch für den naturverbundenen Motorradfahrer war klar, dass es weitergehen muss. „Mir haben sie von Anfang an gesagt, dass ich mir wegen der Arbeit keine Sorgen machen muss, das hat schon sehr geholfen“, ist er heute noch für die Unterstützung seitens des Arbeitgebers dankbar. Noch während der Reha konnte Schwarzl damals eine erste erforderliche Prüfung ablegen. Danach begann die Wiedereingliederung mit einem Job in der Zentralen Zugsauskunft und führte über verschiedene interne Stationen dorthin, wo der sozial engagierte Mann genau richtig ist: zunächst als Behindertenvertrauensperson, bis 2005 im Sozialreferat der Gewerkschaft der Eisenbahner und seitdem in der heutigen Funktion.

Barrierefreie Mobilität mitgestalten

Seine erste Bewährungsprobe war die Vorstellung des neuen Railjet, das war ungefähr nach einem Jahr in dieser Position. Gerne erinnert sich Schwarzl an die Zusammenarbeit mit Betroffenen, die ihr Fachwissen eingebracht haben, wie die leider bereits verstorbenen Experten Edi Riha von der ÖAR (heute Behindertenrat) oder Manfred Srb. „Das war 2006, und ich hab gewusst, ich bin jetzt verantwortlich. Ich hab Expertinnen und Experten um ihre Meinung gefragt. Das war sehr hilfreich und ich hab viel gelernt.“

Eine wichtige Erkenntnis war unter anderem, dass als Menschen mit Behinderungen immer nur Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer wahrgenommen wurden. „Sinnesbehinderungen wurden einfach vergessen“, beschreibt die Behindertenvertrauensperson. In Eva Papst fand er eine wichtige Ratgeberin, die ihm die Anliegen und Bedürfnisse von blinden Menschen näherbringen konnte. „Das ganze Leben ist ein Aha Erlebnis“, erinnert sich Christian Schwarzl an diese Zeit. Alle Erkenntnisse wurden genutzt, um sie in praktikable Lösungen umzusetzen. Aus der Erkenntnis wurde Verständnis für die unterschiedlichen Bedürfnisse und Anliegen von Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen.

"Nothing about us without us" ging nicht immer

Aus der Umsetzungsphase der ersten Railjet-Generation entstand das Bewusstsein dafür, dass Menschen mit Behinderungen von Anfang an in Entscheidungsprozesse einzubinden sind. „Ich hab es versucht, aber es ist nicht immer gelungen“, gesteht Schwarzl ein. Denn oft wird seitens der Entscheidungsträger auf designorientierte Planung statt auf bedarfsorientierte Planung gesetzt. Lange Vorlaufzeiten sind ein Problem und so manche Besprechung verläuft nicht friktionsfrei. Wobei Christian Schwarzl selbst freundliche Ruhe ausstrahlt und sich um Konsens bemüht.

Positive Bilanz

Nach so vielen Jahren überwiegen die positiven Erlebnisse. Gerne erinnert sich Schwarzl daran, dass er einen Award erhalten hat, dafür, dass alle neuen Verkaufseinrichtungen mit induktiven Höranlagen ausgestattet wurden. Als Erfolg wertet er vor allem, dass nach mühsamen Anfängen Barrierefreiheit mittlerweile einen hohen Stellenwert innerhalb des Unternehmens hat und in jede Ausschreibung eingebunden wird. Wenn innerhalb der verschiedenen Verbände die Sprache darauf kommt, dass unser langjähriger Ansprechpartner nun in Pension geht, kommen nur wertschätzende und bedauernde Aussagen. Das ist selten und zeigt, welchen Respekt und welche Anerkennung Christian Schwarzl genießt!

Auch wir lassen ihn nur ungern gehen, wünschen aber natürlich das Beste für eine erfüllte Pension und sagen von ganzem Herzen Danke! Elmar Fürst: „Lieber Christian, danke für deine wertvolle Arbeit, ganz besonders für die persönliche Unterstützung für Menschen in Notsituationen!“