Erasmus+ Bildungsreise: Die Hilfsgemeinschaft in Helsinki
Bildung, Veranstaltungen & Freizeit
19 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs reisten vom 17. bis 21. August 2026 im Rahmen einer Erasmus+ Bildungsreise nach Helsinki. Im Mittelpunkt standen Barrierefreiheit, Digitalisierung, Mobilität und selbstbestimmtes Leben.
Die Reise bot zahlreiche Möglichkeiten, finnische Organisationen und Projekte kennenzulernen. Gleichzeitig konnte die Gruppe Erfahrungen mit Menschen mit Sehbeeinträchtigungen in Finnland austauschen und neue Ideen für die Arbeit in Österreich sammeln.
Helsinki kennenlernen
Nach der Ankunft erkundete die Gruppe die finnische Hauptstadt. Helsinki beeindruckte mit moderner Architektur, vielen Grünflächen und öffentlichen Räumen, die sich in mancher Hinsicht von jenen in Wien unterscheiden.
Ein erster Höhepunkt war der Besuch der Felsenkirche. Am Abend ging es weiter zum Hafen und zur Alten Markthalle. Dort probierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer finnische Spezialitäten und verschiedene Fischgerichte.
Barrierefreiheit und digitale Teilhabe
Am nächsten Tag begann das fachliche Programm bei der Finnish Federation of the Visually Impaired. Sonja Ronkainen, Koordinatorin für internationale Angelegenheiten, und ihre Kolleginnen und Kollegen stellten die Arbeit der Organisation vor.
Themen waren unter anderem selbstbestimmtes Leben, Rehabilitation, der Zugang zu Informationen und digitale Teilhabe. Für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen sind barrierefreie digitale Angebote eine wichtige Voraussetzung, um Dienstleistungen selbstständig zu nutzen und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Am Nachmittag besuchte die Gruppe die Celia Library, die finnische Nationalbibliothek für barrierefreie Literatur. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten Einblicke in digitale Bibliotheksangebote, alternative Formate und assistive Technologien.
Besonders bemerkenswert war, dass barrierefreie Literatur in Finnland als selbstverständlicher Zugang zu Bildung, Kultur und Information verstanden wird.
Oodi und Jätkäsaari
Am Mittwoch stand zunächst die Oodi Central Library auf dem Programm. Oodi ist weit mehr als eine klassische Bibliothek. Die öffentliche Einrichtung verbindet Lesen, Lernen, Musizieren, Produzieren und gemeinsames Arbeiten unter einem Dach.
Am Nachmittag besuchte die Gruppe den Stadtteil Jätkäsaari. Die Stadtführerin Petra erzählte über Architektur, Mobilität und Nachhaltigkeit sowie über das Leben in Finnland. Auffällig waren die vielen Bereiche mit wenig oder gar keinem Autoverkehr, die Gestaltung der öffentlichen Räume und verschiedene Lösungen für Recycling und Nachhaltigkeit.
Barrierefreie Mobilität in Helsinki
Am Donnerstag erkundete die Gruppe gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der finnischen Partnerorganisation Helsinki mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Busse, Straßenbahnen und Züge wurden genutzt, Orientierung und Navigation ausprobiert und die Zugänglichkeit verschiedener Bereiche untersucht.
Der Vergleich mit Österreich war besonders interessant. Schnee, Eis und lange Winter stellen in Finnland andere Anforderungen an Wege, Haltestellen und Orientierungssysteme. Die Reise zeigte, dass internationale Zusammenarbeit nicht bedeutet, Lösungen einfach zu kopieren. Vielmehr geht es darum, andere Ansätze kennenzulernen und auf die eigenen Bedingungen zu übertragen.
Am Abend traf die Gruppe finnische Menschen mit Sehbeeinträchtigungen. Bei einem gemeinsamen Abendessen wurden Erfahrungen zu Mobilität, selbstbestimmtem Leben, digitalen Angeboten, Hilfsmitteln und Erwachsenenbildung ausgetauscht.
Neue Eindrücke für Österreich
Am Freitag traf sich die Gruppe nach dem Check-out noch einmal zu einer gemeinsamen Reflexion. Dabei wurde besprochen, was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesehen und gelernt hatten und welche Ideen sich nach Österreich mitnehmen lassen.
Die Rückmeldungen zur Reise waren sehr positiv. Besonders die Begegnungen, der persönliche Austausch und die Möglichkeit, Barrierefreiheit aus einem anderen gesellschaftlichen Blickwinkel zu betrachten, wurden als wertvoll erlebt.
Nach fünf intensiven Tagen kehrte die Gruppe mit vielen Erinnerungen, neuen Ideen und zahlreichen Eindrücken nach Wien zurück. Die Reise nach Helsinki hat gezeigt, dass Barrierefreiheit viele Gesichter hat. Oft genügt bereits der Blick über die eigenen Grenzen, um neue Möglichkeiten zu entdecken.
Von der Europäischen Union finanziert. Die geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen jedoch ausschließlich denen des Autors bzw. der Autoren und spiegeln nicht zwingend die der Europäischen Union oder der OeAD-GmbH wider. Weder die Europäische Union noch die OeAD-GmbH können dafür verantwortlich gemacht werden.

