App-Test: Visionauta
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In unseren App-Tests evaluieren unsere Experten Apps für Menschen mit Sehbehinderung. Diesmal: Die App Visionauta – ein KI-gestützter digitaler Begleiter, der über die Smartphone-Kamera in Echtzeit auf natürliche Sprachanfragen reagiert und so gezielt Informationen zur Umgebung liefert.
Die App Visionauta: Wenn künstliche Intelligenz zum digitalen Begleiter wird
Eine neue App eröffnet spannende Möglichkeiten für blinde und sehbehinderte Menschen. Eine besonders interessante Entwicklung ist die App „Visionauta“, die speziell für blinde und sehbehinderte Menschen entwickelt wurde.
Die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs hat die App getestet – der erste Eindruck ist durchaus überzeugend.Visionauta verbindet die Smartphone-Kamera mit künstlicher Intelligenz. Die aktuelle Version bietet dabei eine besondere Funktion: das sogenannte Echtzeit-Gespräch.Die Nutzer:innen können der Anwendung in natürlicher Sprache mitteilen, wonach sie suchen oder welche Information sie benötigen. Gleichzeitig analysiert die KI die Umgebung über die Kamera und reagiert unmittelbar auf die Anfrage.
Ein einfaches Beispiel: In einem unbekannten Gebäude wird eine Tür oder ein Ausgang gesucht. Nach entsprechender Aufforderung analysiert Visionauta die Umgebung und informiert, sobald eine passende Tür oder ein Ausgang erkannt wird. Gerade diese reaktive Kommunikation macht die Anwendung interessant. Es geht nicht mehr nur darum, ein aufgenommenes Bild beschreiben zu lassen. Die Nutzer:innen können selbst bestimmen, welche Information gerade benötigt wird.
Aus Sicht der Hilfsgemeinschaft liegt hier ein besonders großes Potenzial. Denkbar sind Fragen wie: Wo befindet sich eine Tür? Wo ist der Ausgang? Was steht auf diesem Schild? Befindet sich vor mir ein Hindernis? Solche Informationen könnten künftig eine wertvolle Ergänzung zu bestehenden Orientierungs- und Mobilitätshilfen darstellen. Dabei gilt jedoch: Visionauta ersetzt weder den Blindenlangstock noch andere bewährte Hilfsmittel. Besonders in sicherheitsrelevanten Situationen muss berücksichtigt werden, dass auch künstliche Intelligenz Fehler machen oder Situationen falsch interpretieren kann.
Auch beim Fotografieren kann die App unterstützen, indem sie Hinweise zur Bildausrichtung gibt. Eine weitere interessante Funktion ist die Erkennung von Notenblättern, die vorgelesen und sogar abgespielt werden können.Für Android bietet „Visionauta Magic“ zusätzliche Möglichkeiten: In Verbindung mit TalkBack können beispielsweise unbeschriftete Bilder, Symbole oder Karten innerhalb anderer Apps beschrieben werden. Auch bestimmte Aufgaben am Smartphone können nach vorheriger Bestätigung durch die Nutzer:innen ausgeführt werden.
Die App ist für iPhone und Android verfügbar und inzwischen in elf Sprachen, darunter Deutsch und Italienisch. Die Basisversion ist kostenlos; zusätzlich gibt es ein optionales kostenpflichtiges Abonnement.Eine Besonderheit des Projekts ist sein Entwickler: Jonathan Santos ist selbst blind und Softwareentwickler. Er war unter anderem bei Google und Samsung tätig und beschäftigt sich wissenschaftlich mit künstlicher Intelligenz.
Testergebnisse und Fazit
Besonders überzeugend ist die Möglichkeit, mit Visionauta in Echtzeit zu kommunizieren und gezielt Informationen über die Umgebung anzufordern. Die eigentliche Innovation liegt daher weniger in der reinen Bilderkennung, sondern in der Kombination aus Kamera, künstlicher Intelligenz und natürlicher Sprache. Die Nutzer:innen entscheiden selbst, wonach gesucht werden soll, und erhalten daraufhin eine entsprechende Rückmeldung. Damit könnte sich die Rolle solcher Anwendungen verändern: Aus einer App, die Bilder beschreibt, wird zunehmend ein interaktives Werkzeug, das Menschen bei der Wahrnehmung und Interpretation ihrer Umgebung unterstützt.
Die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs steht mit dem Entwicklerteam von Visionauta in Kontakt und wird die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen. Besonders wichtig sind dabei Rückmeldungen von Menschen mit Sehbeeinträchtigungen, denn Erfahrungen aus der Praxis können wesentlich dazu beitragen, die Anwendung weiterzuentwickeln.
Unser erster Test zeigt jedenfalls: Visionauta ist eine bemerkenswerte Entwicklung mit interessanten Perspektiven. Vor allem die Möglichkeit, mit künstlicher Intelligenz in Echtzeit über die eigene Umgebung zu sprechen, könnte künftig auch für die selbstständige Mobilität eine wichtige ergänzende Rolle spielen.

