Zero Project Conference

Dienstag, 26. Februar 2019 - 12:33

Von 20. bis 22. Februar fand in Wien die Zero Project Conference mit dem Schwerpunkt „Independant Living and Political Participation“ im Vienna International Centre statt. Die weltweit größte internationale Fachtagung für Barrierefreiheit und Inklusion, begrüßte drei Tage lang Experten und Stakeholder aus den Bereichen Wirtschaft, Technik, Politik und Soziales.

Erstmals 2012 von der Essl Foundation veranstaltet, widmet sich die Konferenz jedes Jahr einem bestimmten Thema aus der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. In Vorträgen, Workshops und Ausstellungen präsentierten engagierte Personen und Unternehmen aus über 70 Ländern, die neuesten Innovationen und Lösungen für Menschen mit Behinderungen. Insgesamt wurden über 30 Sessions gehalten und 70 Projekte mit dem Zero Project Award 2019 ausgezeichnet.

Den diesjährigen Auftakt machte niemand geringerer als die Accessibility-Verantwortliche bei Microsoft - Jenny Lay-Flurrie. Selbst gehörlos geboren, gilt sie als engagierte Vorreiterin für Barrierefreiheit und Gleichberechtigung, die eine ganze Reihe interner Prozesse für mehr Inklusion bei dem IT-Riesen initiierte. Die Magie hinter dem Erfolg beschreibt sie als „magic sauce … of getting disability inclusion and accessibility right at Microsoft. Creating that mix of people (representation), systems (adapted), products (accessible) and Future (innovation).”
Neben weiteren namhaften Keynote-Speakern wie dem US-Senator Tom Harkin, beeindruckten vor allem die Aussteller mit ihren innovativen Lösungen, die zu mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben von Menschen mit Behinderungen führen.

Innovationen für mehr gesellschaftliche Teilhabe

Einhandtastatur „TiPY“

Darunter die Einhandtastatur „TiPY“ von Matthaeus Drory. Das wechselbare Keyboard mit neuem Tastenkonzept ist mit der rechten und linken Hand bedienbar und bietet eine direkte Spracheingabe in 12 Sprachen. Das schnell erlernbare 5 Finger-System ist nicht nur für Menschen mit einer Beeinträchtigung geeignet, sondern auch für Menschen, die rasch und effizient arbeiten wollen.

Hand auf einem TiPY-Keyboard
TiPY-Keyboard

Mobile Braille-Tastatur „Oskar“

Ein weiteres Highlight bietet Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung mehr Mobilität und Unabhängigkeit im Alltag. Die mobile Braille-Tastatur „Oskar“ von Johannes Střelka-Petz, ist eine Weiterentwicklung der Braille-Zeile für den PC. Oskar soll Menschen mit Sehbehinderung helfen, auch unterwegs von ihrem Smartphone aus E-Mails und SMS beantworten zu können.

Mann hält den Prototyp der mobilen Braille-Tastatur in den Händen
Modell der mobilen Braille-Tastatur Oskar

LeadMe

Direkt neben dem Infostand der Hilfsgemeinschaft durften wir die Brille von LeadMe ausprobieren. Das Team von LeadMe hat eine Brille für sehbeeinträchtigte Menschen entwickelt, die Hindernisse oberhalb der Hüfte erkennt und den Träger durch haptisches Feedback darauf aufmerksam macht. LeadMe zeichnet sich im Vergleich zu ähnlichen Produkten, durch eine leichtere Handhabung aus und ist kostengünstiger zu erwerben.

LeadMe Brille mit bunten Kabeln um den Rahmen
Prototyp der Brille von LeadMe

Navigationssystem „GuideMe“

Guide Me ist eine Anwendung für das Smartphone und soll Menschen Hilfe und Unterstützung in ihrer Mobilität geben. Die Applikation ist ein Hilfe- und Notrufservice und lässt sich direkt auf das Handy laden. Das Service unterstützt nicht nur blinde Menschen in ihrer Selbstständigkeit, sondern auch gehörlose oder ältere Personen.
Durch die App wird Kontakt mit einem Guide Me Mitarbeiter aufgenommen, der die gesendeten Informationen des Smartphones nutzt, um den Weg in Echtzeit anzusagen. Der Mitarbeiter bekommt die Informationen zum Standort durch die Kamera und die Standortdaten des Smartphones.

App auf einem Smartphone
Guide Me – Hilfs- und Notrufservice, Copyright: Guide Me

Oskar, LeadMe & Guide Me auf Youtube

Drei Innovationen der diesjährigen Konferenz stellen wir auf unserem Youtube-Kanal vor. Die Produkte und Dienstleistungen verhelfen sehbeeinträchtigten Menschen zu mehr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit im Alltag.

Rechte von Menschen mit Behinderung

Im Policy-Maker Forum diskutierten politische Entscheidungsträger und Stakeholder über neue Entwicklungen ihrer nationalen oder internationalen Agenda. Darunter auch Klaus Höckner, stellvertretender Vorsitzender der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs und Mitglied der High Level Expert Group on Artificial Intelligence der Europäischen Kommission. Er präsentierte die österreichische Initiative „Web Accessibility Certificate Austria“ und machte klar „dass ein Designprozess im Sinne eines Design4All-Prinzips durchgeführt werden muss. Es wird nicht für den Designer, sondern für den Nutzer designt. Nicht „function follows form“, sondern „form follows funtion“ sollte im Vordergrund stehen.“
Den Abschluss der Konferenz machte Parlamentspräsident Wolfgang Sobotka, der klarstellte: „Das Parlament ist das Herz unserer Demokratie. Genau hier muss der barrierefreie Zugang gewährleistet sein. Wenn wir eine inklusive Gesellschaft wollen, müssen wir sicherstellen, dass Menschen mit Behinderung an der Gesellschaft insgesamt und insbesondere am politischen Leben teilnehmen können.“

Klaus Höckner am Podium des Policy Maker Forum
Klaus Höckner beim Policy Maker Forum der Zero Project Conference

Allgemeine Informationen: https://zeroproject.org/
Informationen zur Zero Project Conference 2019: https://conference.zeroproject.org/