Weg mit dem Tabu

Montag, 16. Dezember 2019 - 11:37

Mein Auge macht mich zu etwas Besonderem!

Am 18. November 2019 kam zum ersten Mal die Gesprächsrunde Augenprothetik im Beratungszentrum der Hilfsgemeinschaft zusammen. Initiiert wurde das Projekt von Heidemarie Feucht, Mitglied der Hilfsgemeinschaft und selbst Augenprothesen-Trägerin. Sie will dem in der Augenheilkunde stiefmütterlich behandelten Thema Raum zum Informations- und Erfahrungsaustausch geben. Außerdem ist es erklärtes Ziel der Runde, Betroffenen die Angst zu nehmen, das Tabu-Thema aufzubrechen und sich gegenseitig zu stärken.

Expertin Waltraud Stasny-Lischka über Augenprothesen

Besonders gefreut haben wir uns, dass wir eine Vertreterin der drei österreichischen Augenprothesen-Anbieter bei uns begrüßen durften. Waltraud Stasny-Lischka gab mit ihrer über 40-jährigen Erfahrung einen detaillierten Einblick in die Augenprothetik.
Als Spezialistin für Kunstharzprothesen konnte Sie den Teilnehmern die Vorteile gegenüber Glasprothesen erläutern. Glasaugen sind eigentlich nur mehr im deutschen Raum verbreitet, weltweit ist man wegen der besseren Handhabbarkeit schon längst auf das Material Kunstharz umgestiegen.

Beim darauffolgenden Erfahrungsaustausch wurde festgestellt, dass Informationen beim Augenarzt oder im Krankenhaus oft unzureichend oder gar nicht vorhanden sind. Ärzte haben häufig nicht die Zeit oder das nötige Wissen, um sich mit dem Thema Prothetik auseinanderzusetzen. Dabei ist gerade vor und nach der Operation die Betreuung und Aufklärung sehr wichtig. Meistens sind Erkrankungen oder Geburtsfehler die Ursache für die Entfernung des Auges. Dadurch benötigen in Österreich ca. 15.000 Menschen eine Augenprothese.

Zusammenfassend kann man sagen, dass bei einer Behandlung die Wiederherstellung des Normalzustandes an erster Stelle stehen sollte, um den Betroffenen Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl zurückzugeben.

Übrigens: Hätten Sie es gewusst? – Der Columbo-Darsteller Peter Falk trug auch eine Augenprothese!

Augenprothetikerin Waltraud Stasny-Lischka und Heidemarie Feucht stehen neben drei Teilnehmenden
Waltraud Stasny-Lischka (2. v. re.) und Heidemarie Feucht (Mitte) mit Teilnehmenden