Sterne sind für ALLE da – „Inspiring Stars“

Mittwoch, 29. August 2018 - 9:59

Ein Blogbeitrag von: Manfred Fischer

„Wir wollen den Himmel zu allen bringen“, dieser Satz war bei der Vorstellung der internationalen Wanderausstellung „Inspiring Stars“ am häufigsten zu hören. Diese wurde am 22. August 2018 im Rahmen der Generalversammlung der „Internationalen Astronomischen Union“ (IAU) im Austria Center in Wien vorgestellt. Als lokaler Kooperationspartner fungierte die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs.

Ziel dieser Wanderausstellung ist im Bereich Astronomie inklusive Initiativen aufzuzeigen, zu unterstützen und voranzubringen. Astronomen wollen auch behinderte Menschen für ihr Fachgebiet begeistern und dazu das astronomische Wissen für alle Menschen zugänglich machen.

Rupert Kritsch von der Hilfsgemeinschaft ertastet auf einem 3-D-Modell des Mondes dessen Oberfläche mit Kratern und Gebirgen, Copright: Manfred Fischer.
Rupert Kritsch von der Hilfsgemeinschaft ertastet auf einem 3-D-Modell des Mondes dessen Oberfläche mit Kratern und Gebirgen, Copright: Manfred Fischer.

Astronominnen und Astronomen mit Behinderung

Wie Menschen mit Behinderung in der Astronomie wissenschaftlich arbeiten, vermittelten der Norweger Marius Berge Eide und Wanda Diaz Merced aus Puerto Rico. Eide ist gehörlos und arbeitet am Max Plank-Institut in Garching. Er legte seinen Werdegang als Astrophysiker dar und wie ihn Assistenztechnologien bei seiner wissenschaftlichen Arbeit unterstützen.

Wanda Merced erblindete mit 20. Die Daten der Sterne werden in ihrer Forschungsarbeit in Töne verwandelt. Sie hat im Anhören dieser Daten ein solches Gespür entwickelt, dass sie in den Daten verborgene Veränderungen entdeckt, die andere Forscher übersehen. Merced arbeitet am South African Astronomical Observatory in Cape Town.

Auch der blinde Karlsruher Computerwissenschaftler Gerhard Jaworek erzählte, wie sein Interesse an der Astronomie geweckt wurde und er sich diese Welt Stück für Stück eroberte. Nachzulesen ist dies in seinem Buch „Blind zu den Sternen. Mein Weg als Astronom“, das bei Aquensis erschien.

Phänomene des Weltalls begreifbar und hörbar machen

Bei den Ausstellungsstationen lag der Schwerpunkt darin, die Phänomene des Himmels tastbar und hörbar zu machen. 3D-Modelle von unserem Mond und den Planeten ließen die Besucher die Krater des Mondes und den höchsten Berg des Sonnensystems erfühlen. Letzterer ist der erloschene Vulkan Olympus Mons auf dem Mars.
Getestet haben die Angebote Mitglieder der Hilfsgemeinschaft für Blinde und Sehschwache sowie Jugendliche des Computer-Camps am Bundesblindeninstitut, die begeistert waren.

Drei bunte 3D-Planeten mit taktilen Elementen leigen zusammen auf einem Tisch.
Die Oberflächen verschiedener Himmelskörper sind auf 3-D-Modellen ertastbar.

Auf einer Station befand sich ein Teleskop mit angeschlossener Kamera. Die eingefangenen Bilder werden in Töne verwandelt und so erlebbar gemacht.

Immer wieder verwiesen die Aussteller darauf, wie wichtig es ihnen sei, Astronomie für alle erlebbar zu machen. So auch der Astrophysiker Henry Winter vom Havard-Smithonian Center, der die Handy-App „Eclipse Soundscapes“ entwickelte, um Sonnenfinsternisse hör- und fühlbar zu machen.

Großes Teleskop mit Kamera, Copyright: Manfred Fischer.
Teleskop mit Kamera, deren Bilder in Töne umgewandelt und so hörbar gemacht werden, Copyright: Manfred Fischer.

Situation in Österreich

Keines der vorgestellten Projekte kam aus Österreich. Aber auch den Astronomen bei uns wird bewusst, dass Barrierefreiheit beim Zugang zu Beobachtungseinrichtungen ein Thema ist. So wurde bei der neuen VEGA-Sternwarte des Hauses der Natur am Haunsberg in Salzburg darauf geachtet, das alle Ebenen mit Lift und Treppenlift zugänglich sind. Der Zugang zu einem der beiden Teleskope wird bald über eine Rampe möglich sein.

Weitere Informationen:
https://sites.google.com/oao.iau.org/inspiringstars