Selbsterfahrung

Dienstag, 2. Juli 2019 - 13:10

Am Campustag der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien, konnten Kinder in einem Selbsterfahrungsworkshop der Hilfsgemeinschaft, in eine unbekannte Welt eintauchen und einen Einblick in den Alltag von Menschen mit Sehbehinderung erhalten.

Im Juni lud die Musik-Uni wissbegierige junge Menschen zum Campustag. Das internationale Publikum, darunter viele Familien mit Kindern, hatten an diesem Tag Gelegenheit verschiedene Instrumente auszuprobieren und in die Welt der Musik einzutauchen. Die meist sehr jungen Entdeckerinnen und Entdecker, konnten an verschiedenen Stationen ihr musikalisches Geschick erforschen, sich schminken lassen oder an einem Hindernisparcours der Hilfsgemeinschaft teilnehmen.

Unsere freiwilligen Mitarbeiter Harry und Fritz, sowie Schulungsleiterin der Hilfsgemeinschaft Petra Wrba, navigierten die Teilnehmenden mittels Klang durch den Parcours. Die Kinder konnten zwischen 5-10 Klangvariationen, darunter Rassel, Klangstab, Triangel und Glocke, wählen. Den Klängen im Freien zu folgen, mit all den Nebengeräuschen der vorbeigehenden Menschen und der Bühnenmusik, gestaltete sich schwieriger als gedacht und brachte „unsere Schülerinnen und Schüler“ ordentlich ins Schwitzen. Weitere kleine Aufgaben, wie eine „Jause im Dunkeln“, wurden mittels Simulationsbrille ausgeführt und lieferte den jungen Menschen ganz neue Erkenntnisse: „Wie intensiv eine sonst so wässrige Gurke schmecken kann, wenn man sich nur auf seinen Geschmackssinn konzentriert – einfach erstaunlich!“

Persönliche Erfahrungen

„Die Schülerinnen und Schüler werden während des Workshops aktiv einbezogen und haben so die Gelegenheit in eine unbekannte Welt einzutauchen. Die Teilnehmenden können selbst nachempfinden, wie es ist, ohne Augenlicht das Leben zu meistern“, so Wrba.
Im Zuge des Selbsterfahrungsworkshops erfahren die meist minderjährigen Teilnehmenden ganz nebenbei, was man im Umgang mit Menschen mit einer Sehbehinderung oder mit blinden Menschen beachten sollte. Sie haben die Möglichkeit sich mit einem stark sehbeeinträchtigten Menschen auszutauschen, lernen seine Perspektive kennen und erfahren wie er seinen Alltag lebt.

Wissensdurst

Nach ersten zaghaften Annäherungsversuchen überwindeten einige Kinder sogar ihre Scheu und stellten unseren sehbeeinträchtigen Freiwilligen Harry und Fritz wissbegierig ihre Fragen. Wie sie sich beispielsweise ohne Hilfsmittel orientieren oder „wie das so mit der Blindenschrift“ (Brailleschrift) ist. Ein besonders mutiger vierjähriger Junge fragte Harry, ob er im wirklichen Leben auch nichts sieht. „So ehrliche Kinderfragen wie diese“, erzählt Harry, „zeigen wie wichtig solche Aktionen und Interaktionen sind. Sie bieten uns die Möglichkeit mit Menschen in Kontakt zu treten und ihnen ihre Scheu und ihre Berührungsängste zu nehmen. Hier werden die Grundsteine für ein gemeinsames und gleichberechtigtes Leben für zukünftige Generationen gelegt.“

Um das Verständnis für sehbehinderte und blinde Mitmenschen zu fördern, bietet die Hilfsgemeinschaft Workshops und Vorträge in Schulen an. Sie haben Interesse? Senden Sie jetzt Ihre Anfrage.

Junge Studentin folgt mit verbundenen Augen und Langstock einer Rassel, im Weg steht ein weißer Kübel.
Selbsterfahrungsschulung mit Langstock und Augenbinde