Rezension - Wir verstehen uns blind

Mittwoch, 7. Februar 2018 - 15:14

„Wir verstehen uns blind“ von Franz J. Huainigg.

Eine Geschichte über einen Blinden, der anderen das Sehen lehrt.

Hier am Blog wollen wir Bücher rezensieren, in denen die Themen Blindheit und Sehbehinderung thematisiert werden. Im Jänner haben wir über die Hörbücherei und die Vorteile der Audiodeskription berichtet. Heute wollen wir euch das wunderbare Kinderbuch „Wir verstehen uns blind“ von Franz J. Huainigg vorstellen.

„Katharina steht vor dem Kaufhaus und weint. Sie weiß nicht, wo ihre Eltern sind. Dass ausgerechnet ein Blinder ihr bei der Suche helfen will, verwirrt sie. Doch schnell stellt sich heraus, dass Matthias auf seine Art sehr gut sehen kann.“

Im Trubel des Winterausverkaufs verliert Katharina ihre Eltern. Von den vielbeschäftigten Menschen bemerkt niemand das alleinstehende Kind – nur der blinde Matthias mit seinem Blindenhund wird auf sie aufmerksam. Schnell freunden sich die beiden an und Matthias hilft Katharina bei der Suche nach ihren Eltern.

„Hm, das ist wirklich eigenartig“, überlegte Katharina, „keiner hat mich gesehen, nur du.“ „Die Leute sind wirklich blind“, lachte der Mann, „für mich und meinen Hund warst du nicht zu übersehen. Ich heiße übrigens Matthias.“ „Katharina“, stellte sich das Mädchen vor und griff nach der Hand, die Matthias ihr entgegenstreckte. Katharina erzählte ihm, dass sie ihre Eltern zuletzt bei den Marktständen gesehen hatte, und so beschlossen sie dorthin zu gehen.

Auf der gemeinsamen Suche erfährt Katharina viel über das Leben und den Alltag von Matthias. Ob man Farben riechen kann, wie sich Blinde im Alltagsverkehr orientieren, wenn sie die Ampeln nicht sehen können oder ob Blinde auch Ski fahren. Außerdem lernt sie Brailleschrift und Blindenleitsysteme kennen.

„Kann man eigentlich Farben riechen?“, fragte Katharina. „Manchmal schon. Eine grüne Tomate riecht anders als eine reife rote. Und vor allem schmeckt sie anders. Die Farben von Gegenständen kann man nicht riechen, aber man kann sie fühlen. Ein weißes Auto wird in der Sonne weniger warm als ein schwarzes. Deshalb sind auch alle Kühlwägen weiß. Wer erst später erblindet ist, kann sich aber noch genau an die Farben erinnern“, sagte Matthias.

Das bereits 2009 erschienene Buch erklärt in einer leicht verständlichen und kindgerechten Sprache, wie blinde Menschen sich im Alltag orientieren und was es heißt blind zu sein. Dem Autor Franz J. Huainigg gelingt es die schwierige Alltagssituation blinder Menschen gekonnt in leichtes Gewand zu verpacken, ohne dabei in Klischees abzurutschen. Untermalt wird das Buch mit vielfältigen Illustrationen mit viel Liebe zum Detail. Gezeigt wird der Trubel im Kaufhaus, der Lärm der Autos oder auch Absurditäten des Lebens.

„Wir verstehen uns blind“ von Franz J. Huainigg und Verena Ballhaus
Für Kinder von 5-7 Jahren geeignet
Verlag: Betz, A. (2005)
32 Seiten.