Low Vision

Donnerstag, 27. Juli 2017 - 0:00

Kostenlose Beratung zur Optimierung des vorhandenen Sehvermögens

Sehbehinderte Mitglieder der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen können kostenlos eine Low Vision-Beratung in Anspruch nehmen. Dabei geht es um die bestmögliche Ausnutzung des vorhandenen Sehvermögens durch Hilfsmittel wie z. B. Filtergläser, spezielle Beleuchtung, Vergrößerungshilfen oder elektronische Sehhilfen. Ziel ist die Verbesserung der Lesefähigkeit und, damit verbunden, die Selbstständigkeit im Alltag.

Christiane Hauck ist Diplomingenieurin für Augenoptik und in der Hilfsgemeinschaft für die Sehhilfenberatung verantwortlich.„Zuerst werden die wichtigsten Faktoren wie Fern- und Nahsehschärfe, Vergrößerungsbedarf, Kontrastsehen und Lichtbedarf festgestellt. Auf dieser Basis empfehle ich passende Hilfsmittel. Diese werden dann getestet, um die optimale Kombination zu finden. Der Zeitbedarf liegt bei rund eineinhalb Stunden“, erläutert die Expertin den Ablauf einer Low Vision-Beratung.

AMD

Helene Singer ist an Altersbedingter Makula-Degeneration (AMD) erkrankt. Durch eine Einblutung in die Netzhaut wurde ihr linkes Auge stark geschädigt. Am rechten Auge verfügt sie aber noch über ein ausreichendes Sehvermögen. Die Sehhilfenberatung bei Christiane Hauck soll ihr dabei helfen, „Büroarbeiten“ wie z. B. Post und Kontoauszüge lesen wieder ohne fremde Hilfe zu erledigen. Mit ihrer Lesebrille absolviert die 84-Jährige einen Sehtest: Sie entziffert Texte mit unterschiedlicher Buchstabengröße. Je kleiner die Buchstaben, desto mehr muss sie sich anstrengen: „Jetzt beginnen die Buchstaben zu hüpfen!“ Christiane Hauck misst den Abstand zwischen Augen und Blatt. Dann deckt die Optikerin das linke Auge ihrer „Testperson“ ab, verringert den Abstand zwischen Blatt und Augen und schaltet eine helle Tischleuchte zu. Die Leseleistung von Helene Singer verbessert sich deutlich. „Ihr Gehirn hat sich noch nicht umgestellt. Die unterschiedlichen Sehstärken der Augen sind ein Faktor, der dieses Hüpfen der Buchstaben erzeugen kann. Durch Abdecken des ‚schlechteren‘ Auges liefert das bessere, echte Auge, das jetzt dominant ist, beim Lesen klarere Bilder an das Gehirn“, erklärt die Low Vision-Expertin.

Ob das tatsächlich funktioniert, wird anhand einer TV-Programmzeitschrift getestet. Dazu gibt es noch einen Tipp im Umgang mit dem Fernseher. Auch hier soll der bisherige Abstand deutlich verringert werden. „Das ist eine natürliche Vergrößerungshilfe“, erläutert Christiane Hauck. „Die Augen nehmen keinen Schaden, wenn Sie nahe am Fernseher sitzen. Neue Geräte geben keine Strahlung ab!“

Guter Sehrest

Für ganz winzige Schriften verwendet Helene Singer eine kleine Taschenlupe. Derzeit besteht bei ihr jedoch kein Bedarf für weitere Vergrößerungshilfen. „Die Einkäufe erledigt meine Tochter“, erzählt sie. Das Lesen von Verpackungsaufschriften oder Mindesthaltbarkeitsdaten macht ihr also keine Probleme. Aber in der Küche sollte sie längliche Unterbauleuchten an der Unterseite der Oberschränke anbringen lassen anstelle der bisher benutzten Spots. „Sie brauchen eine großflächige Ausleuchtung anstatt einer punktuellen, vor allem beim Lesen. Daher sollten Sie eine Tischleuchte mit einem länglichen Kopf wählen“, rät Christiane Hauck.

Helene Singer entscheidet sich für eine Leuchte aus dem Hilfsmittel-Shop der Hilfsgemeinschaft. Sie hat entdeckt, dass ihr damit auch die Nagelpflege wieder besser gelingen wird. Derzeit kommt sie noch mit wenigen Hilfsmitteln zurecht. Christiane Hauck zeigt ihr eine mobile elektronische Lupe und versichert ihr, dass es noch viele nützliche Seh- und Vergrößerungshilfen gibt, falls sich die Sehkraft ihres rechten Auges verschlechtern sollte.

Erleichtert verabschiedet sich die AMD-Patientin, nicht ohne zu erwähnen, wie dankbar sie für die Fachberatung ist. „Wissen Sie, aus meinem Umfeld kommen so viele gut gemeinte Ratschläge. Aber die helfen mir nicht, Sie schon!“

Christiane Hauck zeigt Helene Singer eine elektronische Lupe
Christiane Hauck zeigt Helene Singer eine elektronische Lupe