Fahrerlos

Dienstag, 26. März 2019 - 9:14

Ein Blogbeitrag von: Gabriele Frisch und Daniele Marano

Testbetrieb der ersten selbstfahrenden E-Busse in der Seestadt Aspern

Bereits die Ankündigung der Wiener Linien erregte Aufsehen: „Wien bekommt eine fahrerlose Autobuslinie“. Während Skeptiker autonomes Fahren als Gefahrenpotenzial wahrnehmen, sehen Optimisten darin einen Megatrend, der Städte nachhaltig verändern wird. Die autonomen E-Busse sollen in Wien als „Last Mile“-Angebot eingesetzt werden, also um Lücken zwischen Wohnort und vorhandenen Öffis zu schließen.

Forschungsprojekt

Um die Betriebssicherheit der selbstfahrenden Fahrzeuge zu gewährleisten, haben die Wiener Linien im Sommer 2017 das Forschungsprojekt auto.Bus - Seestadt gestartet. Gemeinsam mit dem AIT – Austrian Institute of Technology, dem KFV – Kuratorium für Verkehrssicherheit, dem TÜV Austria sowie der SIEMENS AG Österreich und dem französischen Bushersteller NAVYA wird an der technologischen und rechtlichen Weiterentwicklung von autonomen Kleinbussen gearbeitet.

Die zu bewältigenden Herausforderungen sind enorm: Der autonome Bus benötigt eine umfangreiche Sensorik, muss lernfähig und kommunikativ sein: Personen, Fahrzeuge und Objekte sowie kritische Verkehrssituationen müssen zuverlässig erkannt werden, eine Kommunikation mit Ampeln, Kreuzungen und Fahrgästen muss etabliert werden. „Funktionalität, Interaktion und Sicherheit stehen für uns alle an oberster Stelle“, fasst Günter Steinbauer, Geschäftsführer der Wiener Linien zusammen.

Testungen

Zwei fahrerlose E-Busse, die bis zu zehn Fahrgästen sitzend Platz bieten, wurden und werden intensiv getestet. Im Juli 2018 waren die bis zu 20 km/h schnellen Fahrzeuge erstmals in der Seestadt Aspern auf einer kurzen Teststrecke unterwegs. Immer mit dabei ist ein Operator, der dem Bus über einen Bildschirm Befehle erteilen kann und für die ständige Sicherheit an Bord sorgt.

Haltestelle mit zwei rot-weißen E-Bussen
Teststrecke mit Haltestelle, Copyright: Wiener Linien/Manfred Helmer

Nutzerstudien

Im Rahmen des Forschungsprojekts auto.Bus - Seestadt wurden bereits Nutzerstudien mit Fahrgästen unterschiedlicher Altersgruppen und verschiedenen Bedürfnissen durchgeführt. Ziel war es, bereits vor Beginn des öffentlichen Testbetriebes wichtige Situationen aus dem Betrieb zu erproben und den Bus auf den Einsatz in der Seestadt umfassend vorzubereiten.
In zukünftigen fahrerlosen Bussen muss die gesamte Kommunikation vom Fahrzeug selbst abgedeckt werden. Je nachdem wie gut man diese Herausforderung löst, wird sich das auf Akzeptanz und Vertrauen der Fahrgäste auswirken.

Am 6. November 2018 nahmen auch Experten der Hilfsgemeinschaft an einer solchen Nutzerstudie teil. Es wurden mehrere Prototypen ausprobiert, die auf verschiedene Weise im Haltestellenbereich Informationen an die Passagiere weitergaben, z. B. dass der Bus überfüllt sei oder wann er losfahren würde. In einer später durchgeführten Fokusgruppe wurden dann speziell die Bedürfnisse sehbeeinträchtigter Menschen diskutiert, um deren Erfahrungen aus der Studie möglichst umfassend aufzunehmen. Nach einer vorläufigen Analyse wurde von den visuell beeinträchtigten Testpersonen eine Kombination verschiedener Varianten (Textanzeigen in Kombination mit Audio und LEDs) präferiert. Als Präsentationsgeräte könnten Lautsprecher, Bildschirme oder auch persönliche Endgeräte wie Smartphone, Smartwatch oder Kopfhörer dienen.

Strenge Auflagen

Voraussichtlich ab dem Frühjahr 2019 startet der öffentliche Testbetrieb mit zehn Haltepunkten auf der Straße in der Donaustadt entlang einer rund zwei Kilometer langen Strecke bei der U2-Station Seestadt. Daran können auch „reguläre“ Fahrgäste teilnehmen. Allerdings gelten für Forschungsprojekte strenge gesetzliche Auflagen: So dürfen Kinderwägen und Rollstühle nicht befördert werden. Auch eine Beförderung im Stehen ist derzeit noch untersagt. Dafür benötigen die Passagiere aber keine Tickets. Bei Schlechtwetter bleiben die Fahrzeuge noch in der Garage: Die Sensoren müssen erst lernen mit diesen Umweltbedingungen zurechtzukommen – Ersatzverkehr steht dann keiner zur Verfügung.

Zwei Rot-weiße E-Busse stehen im Freien, im Hintergrund der Himmel und Bäume
Autonome Busse in der Seestadt Aspern, Copyright: Wiener Linien, Manfred Helmer