Bücher für alle

Donnerstag, 22. November 2018 - 14:21

Der Vertrag von Marrakesch wird ratifiziert

Am 10. Oktober 2018 hat das österreichische Parlament die Ratifizierung des Vertrags von Marrakesch beschlossen. Damit wird der Vertrag, der bereits im Juni 2014 unterzeichnet wurde, nun auch umgesetzt.

Gegenstand

Vorstand Klaus Höckner erklärt, warum dieser Urheberrechts-Vertrag für blinde und sehbehinderte Menschen von Bedeutung ist: „Zugang zu Bildung, zu Information und zu Büchern ist für blinde und sehbehinderte Menschen oft sehr eingeschränkt. Von den meisten Büchern gibt es seitens der Verlage keine barrierefreien Versionen, da die Zielgruppe zu klein ist. Der Aufwand ist im Vergleich zum Ertrag zu hoch und das Urheberrecht schränkt die Verbreitung von Büchern erheblich ein. Große Verlage und unter anderem auch die Filmindustrie haben sich ja auch massiv gegen den Vertrag ausgesprochen. Mit der Ratifizierung des Vertrags wird es nun möglich, Bücher für blinde und sehbehinderte Menschen auch über Landesgrenzen hinweg in barrierefreien Formaten anzubieten. Blindenorganisationen dürfen nun legal Bücher als Audioversionen, in Brailledruck, als Daisyformat oder digital aufbereitet ohne Genehmigung der jeweiligen Rechte-Inhaber austauschen.“

Alle Staaten, die den Vertrag von Marrakesch ratifizieren, müssen ihn auch umsetzen. „Barrierefreier Zugang zu Information und Bildung ist ein Menschenrecht und sollte mittlerweile selbstverständlich sein. Wir setzen große Hoffnung in die Umsetzung des Vertrags von Marrakesch“, so Höckner.

Völkerrecht

Der Vertrag von Marrakesch über die Erleichterung des Zugangs zu veröffentlichten Werken für blinde, sehbehinderte oder sonst lesebehinderte Menschen ist ein völkerrechtlicher Vertrag auf dem Gebiet des Urheberrechts, der am 30. September 2016 in Kraft trat. Österreich hat den Vertrag im Juni 2014 unterzeichnet, am 10. Oktober 2018 wurde der Vertrag nun ratifiziert.

Vorstand Klaus Höckner diskutiert mit blinden Mitgliedern der Hilfsgemeinschaft, Copyright: Franz Pfluegl
Vorstand Klaus Höckner diskutiert mit blinden Mitgliedern der Hilfsgemeinschaft, Copyright: Franz Pfluegl