Bildgewalt

Dienstag, 11. Februar 2020 - 9:32

Der blinde Künstler Sergej Popolsin sprengt alle Grenzen

Film und Malerei sind in erster Linie visuelle Medien. Dass der blinde Künstler Sergej Popolsin ausdrucksstarke Gemälde erschafft ist schon beeindruckend genug. Aber nun hat der Maler innerhalb von nur drei Jahren den 58-minütigen Spielfilm „Musik, Leinwand, Öl …“ konzipiert und produziert. Immer mit dabei seine Ehefrau Rosmarie Spitzer, die dafür zum ersten Mal hinter der Kamera stand.

In eigenständigen Kurzfilmen sind 20 Episoden aus dem Leben Popolsins zu sehen, die Impulse für sein künstlerisches Schaffen liefern. Jeder Kurzfilm stellt eines oder mehrere Gemälde vor, die thematisch zusammengehören. Die Musik dazu stammt von Evgeny Masloboev, mit dem Popolsin 2004 an dem Projekt „Farbe im Ton“ gearbeitet hatte. Evgeny schuf damals musikalische Kompositionen zu mehr als zwei Dutzend Gemälden von Sergej.

Popolsin will seinen Film nicht als Autobiografie verstehen: „Man darf mich nicht zur Gänze auf die Filmfigur des Künstlers übertragen. Obwohl alle Gemälde von mir stammen, habe ich nur den Versuch unternommen, auf die Frage ‚Wie entstehen die Gemälde?‘ metaphorisch, ohne Worte zu antworten und nicht über mich selbst zu erzählen. In erster Linie war es für mich interessant, mich in die Musik hineinzuhören, zu versuchen sie zu dechiffrieren und mir dazu Videosujets auszudenken und sie zu gestalten.“
Dazu hat der Künstler alles bis ins kleinste Detail geplant – von den von ihm selbst gezeichneten schematischen Bildkompositionen, der Einstellung der Scheinwerfer, der Wahl der Perspektive, der Anordnung von Gegenständen bis zum Video- und Audioschnitt.

Der Film „Musik, Leinwand, Öl …“ wurde bei vier internationalen Filmfestivals ausgezeichnet. Am 23. Februar 2020 fand im Stadtkino im Künstlerhaus Wien um 11:00 Uhr die Premiere statt. Details über das Leben und Wirken des Künstlers gibt es unter www.popolsin.com.

Trailer „Musik, Leinwand, Öl“