Befreiung

Donnerstag, 23. Mai 2019 - 12:27

Unsere Testamentsspenderin Elfriede Chmelik im Interview mit Waltraud Portner-Frisch

Vor elf Jahren entschloss sich Elfriede Chmelik ein Testament zugunsten der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs zu machen. Ihr Mann war verstorben, die Ehe blieb kinderlos und ihr Bruder ist mit dieser Entscheidung einverstanden. Wir haben unsere Testamentsspenderin befragt, warum sie sich entschieden hat, mit ihrem letzten Willen blinde und sehschwache Menschen zu unterstützen.

Portrait Elfriede Chmelik
Elfriede Chmelik will ihr Erspartes für einen guten Zweck einsetzen, Copyright: Franz Pfluegl

Wann haben Sie das erste Mal daran gedacht ein Testament zu machen?

„Ein oder zwei Jahre bevor ich mich bei der Hilfsgemeinschaft erkundigt habe, begann ich mich mit dem Thema zu beschäftigen. Das muss so um 2006 gewesen sein. Ich war schon über 70 Jahre alt und mein Mann war schon verstorben, d.h. ich war bereits lange alleinstehend. Und da dachte ich, dass ich meinen Nachlass regeln möchte. Ich wollte nicht, dass mein ‚Vermögen‘ an den Staat fällt.“

War es für Sie schwer, sich mit Ihrer eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen?

„Nein gar nicht. Jeder muss einmal sterben. Wenn ich sterbe, sterbe ich. Ich habe keine Angst.“

Wie haben Sie sich informiert?

„Ich habe bei der Hilfsgemeinschaft angerufen, mich erkundigt und einen Termin mit der Testamentsabteilung vereinbart. Ich bin dann hingegangen und habe gleich dort ein handschriftliches Testament gemacht. Ich bin eine Schnellentschlossene. Das hin und her hat ja keinen Sinn.“

Haben Sie sich darüber mit anderen Menschen ausgetauscht?

„Nein, gar nicht. Das war ganz allein meine Entscheidung. Aber ich habe unmittelbar nach der Testamentserstellung meinen Bruder informiert.“

Was war ausschlaggebend, sich für eine Testamentsspende zu entscheiden? Wie fühlt sich das für Sie an?

„Es war von Anfang an der Wunsch da, das Ersparte einem guten Zweck zukommen zu lassen. Ich habe mich gar nicht über andere Vereine etc. informiert. Es war für mich klar, dass die Hilfsgemeinschaft meine Erbin wird. Ich habe nie an eine andere Organisation gedacht, obwohl ich viele Vereine mit Spenden unterstütze. Ich habe dort nicht das Gefühl, das ich bei der Hilfsgemeinschaft habe, das Gefühl, dass ich hier gut aufgehoben bin. Nach dem Tod meines Mannes bin ich in das Beratungszentrum in der Jägerstraße gegangen und habe eine größere Summe gespendet. Es hat mich jemand angehört, mit mir gesprochen. So konnte ich das Haus und die Mitarbeiterinnen kennenlernen.
Diese Entscheidung zu vollziehen war für mich sehr befreiend, weil ich die Arbeit der Hilfsgemeinschaft kenne und weiß, was alles für die Mitglieder gemacht wird und wohin das Geld kommt. Die Sache mit dem Testament geregelt zu haben, nicht mehr darüber nachdenken zu müssen, war ein befreiendes Gefühl.“

Gab es in Ihrer Familie Erfahrungen mit Blindheit/Sehbehinderung?

„Mein Vater erblindete nach einer Operation auf einem Auge. Über eine Nachbarin kam er mit der Hilfsgemeinschaft in Kontakt und wurde Mitglied. Die Hilfsgemeinschaft hat ihm sehr geholfen alles über seine rechtlichen Ansprüche zu erfahren und diese durchzusetzen. Darüber hinaus besuchte er regelmäßig die Bezirksgruppentreffen und konnte sich mit anderen seheingeschränkten und blinden Menschen austauschen. Das hat ihm geholfen, mit seiner Blindheit umzugehen. Nach dem Tod meines Vaters habe ich seine Mitgliedschaft übernommen und bin in Kontakt geblieben.“

Die Hilfsgemeinschaft bietet ihren Testamentsspendern ein Beziehungsprogramm. Bereits zu Lebzeiten stehen wir in regelmäßigem Kontakt mit unseren Spenderinnen und Spendern. War das für Sie ein gewichtiges Argument für Ihre Entscheidung?

„Nein, eigentlich nicht. Aber ich freue mich über die Zusammenkünfte und den Austausch mit anderen Testamentsspendern und den Mitarbeiterinnen. Ich bin sehr zufrieden und froh, dass ich mit meinem Nachlass blinden Menschen helfen kann.“

Vielen herzlichen Dank!

Elfriede Chmelik mit zwei anderen Testamentsspenderinnen und unserer Mitarbeiterin Waltraud Portner-Frisch, Copyright: Franz Pfluegl
Elfriede Chmelik in geselliger Runde mit anderen Testamentsspenderinnen und unserer Mitarbeiterin Waltraud Portner-Frisch, Copyright: Franz Pfluegl