ARCHES

Dienstag, 22. Oktober 2019 - 11:39

Ein Blogbeitrag von: Rotraut Krall

Ein spannendes Projekt neigt sich dem Ende zu

Mehrfach berichteten die sichtweisen über das EU-Projekt ARCHES (www.arches-project.eu/de/). ARCHES steht für „Accessible Ressources for Cultural Heritage EcoSystems“ oder „Barrierefreie Informationsträger zur Vermittlung kulturellen Erbes“. Das Kunsthistorische Museum Wien ist einer von 13 weltweiten Partnern, darunter das „Museo Thyssen-Bornemisza“ in Spanien und das „Victoria & Albert Museum“ in England. Nach drei Jahren geht das Projekt dem Ende zu und es ist an der Zeit, zurückzublicken.

Workshop

Ziel war die Entwicklung einer App, die es Menschen mit Behinderung erleichtern soll, Museen möglichst selbstbestimmt zu erleben. Jeweils 15 bis 20 Personen mit unterschiedlichen Behinderungen nahmen im Kunsthistorischen Museum an insgesamt 30 Workshops teil. Die Hilfsgemeinschaft war durch Daniele Marano, Experte für Barrierefreiheit und Neue Technologien, bestens vertreten. Unter den Teilnehmenden waren auch viele, die bisher sehr selten ein Museum besucht haben.
Zwei Gedanken standen bei allen Treffen im Vordergrund: Die behinderten Teilnehmer trafen die Entscheidungen selbst. Ihre Expertise war die Grundlage für die Aufbereitung aller Inhalte. Die Gruppe arbeitete immer gemeinsam und wurde nicht ihrer Behinderung entsprechend aufgeteilt. Dieser partizipative Gedanke ist in der musealen Arbeit noch nicht so selbstverständlich und stellte auch für alle eine besondere Herausforderung dar. Am Ende stellten aber alle fest, dass die Zeit der gemeinsamen Workshops besonders bereichernd war.

Blick in eine Workshop-Gruppe mit zahlreichen Teilnehmenden an einem großen Tisch
Die Workshops waren für alle Teilnehmenden eine Bereicherung, Copyright: Sabine Gruber

Ergebnisse

Nach zahlreichen Führungen in den Sammlungsräumen und lebhaften Diskussionen, welche Parameter bei der Entwicklung einer App für Menschen mit Behinderungen zu berücksichtigen sind (Benutzerfreundlichkeit, Verständlichkeit der Inhalte usw.), entstanden Beschreibungen von 13 Gemälden sowie 7 Objekten aus der Kunstkammer, sechs Museumsrundgänge und ein kreatives Spiel. Alle Informationen sind für blinde und gehörlose Menschen sowie für Personen mit Lernschwierigkeiten aufbereitet.

Eine blinde Teilnehmerin testet den taktilen Orientierungsplan während sie mit einer KHM-Mitarbeiterin spricht
Eine blinde Teilnehmerin testet den taktilen Orientierungsplan, Copyright: Sabine Gruber

Neuerungen

Um den Bedürfnissen von blinden und sehbehinderten Museumsbesuchern gerecht zu werden, erarbeiteten die sehbeeinträchtigten Workshop-Teilnehmenden in kleinen Projekten Tastpläne zur besseren Orientierung im Museumsgebäude. Diese Orientierungshilfe kann ab sofort bei der Information ausgeborgt werden und ist auch als Audiodatei auf der KHM-Website abrufbar unter www.khm.at/erfahren/kunstvermittlung/barrierefreie-angebote/. Außerdem wird es ab Oktober 2019 regelmäßige Tastführungen im Kunsthistorischen Museum geben.
Die Vermittlung von Kunst für blinde und sehbehinderte Menschen ist besonders schwierig, da die wertvollen Objekte nicht berührt werden dürfen. Deswegen wurden einige Tastreliefs, also 3-D-Drucke erstellt, mit deren Hilfe sehbeeinträchtige Menschen die Malereien ertasten können.

Das Highlight des Projektes ist ein interaktives Tastrelief des Gemäldes „Der Vogeldieb“ von Pieter Bruegel d. Älteren, das mittels Gesten gesteuert werden kann. Durch eingebundene Technologien wie Gebärdensprachvideos, Hochkontrast-Darstellung, zuschaltbare Untertitel und einstellbare Sprechgeschwindigkeit wird es für eine große Zielgruppe zugänglich sein.

Finale

ARCHES war ein mutiges Vorhaben. Heute dürfen wir uns freuen, dass gemeinsam eine Brücke des gegenseitigen Verständnisses, vor allem auch zwischen den unterschiedlich beeinträchtigten Menschen gebaut wurde. Mit der ARCHES-App ist auch blinden Menschen ein „Museum für die Augen“ besser zugänglich geworden. Für deren Entwicklung wurden spezielle Farbkontrastübungen erarbeitet und die App so gestaltet, dass diese mit VoiceOver (iOS) und Talkback (Android) kompatibel ist. Derzeit wird noch am technischen Feinschliff gearbeitet. Ab November 2019 soll die App interessierten Museumsbesucherinnen und Museumsbesuchern kostenlos zur Verfügung stehen.