Perspektiven - Menschlichkeit statt Formalismen

Medizin informiert

Dr. Ergun wollte schon als Kind Augenarzt werden und das merkt man auch heute in seiner Arbeit. 

Der Arbeitstag beginnt früh für Priv. Doz. Dr. Erdem Ergun. Seit 2005 leitet der 44-Jährige die Netzhaut-, Makula- und Laserambulanz im Sanatorium Hera in Wien-Alsergrund. Zweimal pro Woche werden ab sieben Uhr Glaskörperinjektionen an Patienten mit verschiedensten Netzhauterkrankungen verabreicht. Spätestens um halb acht startet der Ambulanzbetrieb. Diagnostik, Lasertherapien und weitere intravitreale (= in den Glaskörper des Auges) Eingriffe stehen ebenfalls auf dem Tagesprogramm.

Symptome

„Wir sehen etwa 30 Patienten pro Tag, der Großteil davon ist über 60 Jahre alt. Die meisten Patienten klagen über Beeinträchtigungen ihrer Lesefähigkeit, über Verzerrungen oder über eine allgemeine, diffuse Verschlechterung ihrer Sehfähigkeit“, erklärt der Netzhautspezialist. Nach einer sorgfältigen Anamnese erfolgt eine vollständige Untersuchung. Am Beginn steht die Sehschärfenbestimmung in der Ferne und in der Nähe. „Die Lesefähigkeit zu bestimmen, ist besonders vernachlässigt“, so Ergun. Dann folgen Biomikroskopie, Spiegelung des Augenhintergrundes, OCT-Untersuchung zur Messung der Netzhautdicke und Fluoreszenzangiographie (Farbstoffuntersuchung der Netzhaut).

Der Patient soll eine möglichst genaue Diagnose und Prognose bekommen. „Er soll darüber informiert werden, woran er ist und was ihn erwartet. Besonders wichtig ist mir die Aufklärung über Therapiemöglichkeiten. Dabei kann es aber nicht um die reine Umsetzung therapeutischer Richtlinien gehen. Vielmehr soll die Therapie auf die persönliche Situation des Patienten optimal abgestimmt sein. Die menschliche Betrachtungsweise muss über rein formalen Kriterien der Behandlung stehen“, ist Ergun überzeugt.

Traumberuf

Diese für seine Patienten ausgesprochen erfreuliche Haltung resultiert aus dem schon früh entstandenen Wunsch, anderen zu helfen: „Mit sieben Jahren hatte ich eine Bindehautentzündung. Meine Mutter ging mit mir zum Augenarzt und ich war zutiefst beeindruckt von den Untersuchungen und vom Ablauf. ‚Das will ich auch mal können’, dachte ich mir und hatte meine Berufswahl getroffen.“

Der Wunsch, zu helfen, ist nach wie vor stark ausgeprägt: „Mittlerweile können wir jedem Patienten mit einer behandelbaren Erkrankung eine Perspektive bieten. Diese Perspektive ist manchmal besser, manchmal schlechter. Natürlich möchte man gerne jeden therapieren, z. B. auch Patienten mit trockener AMD. In der Forschung tut sich einiges, aber manches ist noch nicht spruchreif.“ Von seinen Patienten wünscht sich der sympathische Augenfacharzt vor allem eines: „Ich wünsche mir Vertrauen. Nur wenn meine Patienten mir vertrauen, können wir den Weg gemeinsam gehen. Ich wünsche mir, dass sie mich fragen, wenn ihnen etwas unklar ist. Dass sie mit mir über ihre Probleme sprechen, damit wir sie gemeinsam lösen können.“

Wahlarzt

Oft bleibt aber aufgrund des hohen Patientenaufkommens im Krankenhaus nur wenig Zeit zum Reden. In seiner Wahlarztpraxis, die er seit 2005 in der Herrengasse betreibt, nimmt sich Erdem Ergun viel Zeit für Gespräche – auf Deutsch, Englisch, Französisch und Türkisch. Dort ist er dreimal pro Woche nach seiner Tätigkeit in der Hera anzutreffen. Selbstverständlich ist seine Ordinationdiagnostisch und lasertherapeutisch voll ausgestattet. Darüber hinaus besucht er laufend Fortbildungsveranstaltungen. Mindestens ein Wochenende pro Monat ist für Weiterbildung vorgesehen.

Der seit 2006 habilitierte Netzhautspezialist kann auf zahlreiche Publikationen verweisen und war bereits an etlichen Studien und Projekten beteiligt. Seine Einstellung zum Beruf, den er mit der engagierte Mediziner so: „Anstatt nur nach streng formalen Kriterien vorzugehen, sollte man immer den Menschen im Blickpunkt behalten!“