Nicht streicheln bitte!

Blindenführhunde

Hunde sind kuschelige Wegbegleiter. Für sehbehinderte oder blinde Menschen sind sie aber in erster Linie Hilfsmittel. Jasmin Hörl gibt Einblicke in ihr Leben mit Blindenführhund.

Jasmin ist schwer sehbeeinträchtigt und deshalb auf einen Blindenführhund angewiesen. Als die Hündin Polly vor zweieinhalb Jahren in das Leben der ausgebildeten Masseurin und Hobbysportlerin kam, hat sich für die junge Frau einiges verändert. Ihre zwei Katzen haben jetzt Gesellschaft und Jasmin ein Stück weit mehr Freiheit. Spontan alleine rausgehen ist für die junge Frau in Begleitung von Polly viel einfacher geworden. „Ich kann Hindernissen besser ausweichen und die Menschen, denen ich begegne sind auch verständnisvoller“, sagt Jasmin. Blindenführhunde sorgen mit ihrer gelben Kennzeichnung nämlich auch für mehr Sichtbarkeit. Außerdem hat sie durch die Hündin gelernt, selbstsicher aufzutreten: „Ich traue mich jetzt eher, bei Passanten nach dem Weg zu fragen, wenn ich mit Polly mal die Orientierung verloren habe.“

Hilfsmittel statt Haustier

Während Polly für Jasmin in erster Linie als Hilfsmittel für den Alltag dient, ist sie für viele sehende Menschen in erster Linie einfach ein Hund. Und Hunde streichelt man eben gern. Das kann aber problematisch werden. Viele sehende Menschen wissen nicht, worauf sie im Umgang mit einem Blindenführhund achten sollten. Immer wieder erlebt Jasmin, dass ihre Hündin ungefragt angefasst oder gefüttert wird. Für Jasmin, die Polly auch zur Orientierung braucht, kann es durchaus gefährlich werden, wenn die Hündin abgelenkt wird. „Einmal hat wer von hinten meinen Hund angefasst, während wir in Richtung Straße gelaufen sind. Ich verlasse mich auf Polly. Wenn sie aber abgelenkt ist, dann landen wir am Ende aber beide auf der Fahrbahn“, erzählt sie.

Mehr Bewusstsein für blinde und sehbehinderte Lebensrealitäten

Jasmin wünscht sich mehr Bewusstsein für das Thema Blindenführhunde und für die Lebensrealität blinder oder sehbehinderter Menschen generell. Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass ihren Blindenführhund zur Bewältigung ihres Alltags braucht. Immer wieder wird sie im Supermarkt und sogar beim Augenarzt darauf hingewiesen, dass ihre Hündin doch bitte draußen warten solle. Auch regen sich immer wieder Menschen auf, wenn sie die Hundehaufen von Polly nicht wegräumt. Dabei sind Menschen mit einer Sehbehinderung oder Blindheit rechtlich davon ausgenommen. „Ich würde mir von meinen sehenden Mitmenschen wünschen, dass sie sich aktiver über solche Themen informieren, bevor sie unbedacht loswettern“, meint Jasmin.

Vloggen für mehr Sichtbarkeit

Einen Beitrag zur Aufklärungsarbeitet leistet sie selbst. Bis vor kurzem hat sie auf der Videoplattform YouTube regelmäßig Videos über den Umgang mit Blindenführhunden hochgeladen und Einblicke in ihr Leben mit Blindenführhund gegeben. Das ist eine Nische auf YouTube und gleichzeitig wichtige Aufklärungsarbeit. Die meisten Viewer waren laut Jasmin nämlich sehende Menschen und das Feedback in erster Linie positiv. „YouTube ist eine gute Plattform, um zu erzählen, wie es eigentlich ist, mit einem Blindenführhund zu leben und welchen Umgang sich die Besitzer wünschen“, sagt Jasmin. Einblicke wie diese können Berührungsängste reduzieren und machen die Bedürfnisse von blinden und sehbehinderten Menschen sichtbarer. Aktuell hat Jasmin ihren YouTube Kanal „Eat Train Live“, auf dem sie auch Sport- und Ernährungstipps teilt, aus zeitlichen Gründen offline gestellt.

Hoffentlich gibt es bald wieder Inhalt. Das wünscht sich wohl auch Hündin Polly, die laut Jasmin ein wahrer Kamera-Star ist.