Ab wann spricht man von Sehbehinderung?

Beratung & Soziales

Ab wann gilt man in Österreich eigentlich als sehbehindert oder blind? Hier gibt es verschiedene Einstufungsmöglichkeiten, die für den jeweiligen Kontext gelten.

Um den Grad der Sehbehinderung festzustellen, schaut man sich den Visus an, also die Sehschärfe. Diese beschreibt, wie scharf ein Mensch sieht, also inwiefern das Auge fähig ist, Muster oder Konturen zu erkennen.

Wie wird die Sehschärfe gemessen?

Die Sehschärfe misst man mittels einer Sehtafel mit Zeichen in unterschiedlichen Größen. Die zu testende Person muss aus einer bestimmten Entfernung Zeichen erkennen, wobei die letzten Zeichen, die jene Person noch erkennen kann, den Wert der Sehschärfe festlegen. Um die folgenden Einteilungen besser zu verstehen: Bei einer Sehschärfe von 100 % spricht man von einem Visus von 1,0. Das ist allerdings nur der Durchschnittswert. Man kann auch mehr als 100 % haben, das trifft zB auf viele junge Menschen mit ausgeprägter Sehkraft zu. Alles unter dem Wert 1,0 deutet auf eine reduzierte Sehschärfe hin.

Sehbehinderung nach WHO-Kriterien

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet zwischen Sehschwäche/Sehbehinderung, hochgradiger Sehbehinderung und „gesetzlicher Blindheit“, sowie absoluter Blindheit.

Man spricht von einer Sehschwäche/Sehbehinderung… bei einem Sehvermögen von 30% oder weniger (0,3 Visus) bzw. bei einem Sehvermögen von 10 % oder weniger (0,1 Visus).
Man spricht von einer hochgradigen Sehbehinderung… wenn das Sehvermögen 5 % oder weniger (0,05 Visus) beträgt.
Man spricht von praktischer oder „gesetzlicher Blindheit“… wenn das Sehvermögen 2% oder weniger (0,02 Visus) beträgt.
Man spricht von absoluter Blindheit… wenn eine fehlende Wahrnehmung von Lichtschein vorliegt.

Sehbehinderung nach Bundespflegegeldgesetz

Eine wichtige Einstufung einer Sehbehinderung in Österreich liefert das Bundespflegegeldgesetz. Wer in Österreich mit Sehbehinderung oder Blindheit Pflegegeld bekommt, ist in den Mindesteinstufungen § 4a festgelegt. Hier wird unterschieden zwischen hochgradig sehbehinderten und blinden Menschen.

Als hochgradig sehbehindert gilt: wer am besseren Auge mit optimaler Korrektur einen Visus hat, der kleiner oder gleich…

  • 0,05 ohne Gesichtsfeldeinschränkung beträgt.
  • 0,1 in Verbindung mit einer Quadrantenanopsie beträgt (= Ausfall des Sehsinns, der etwa ein Viertel des Gesichtsfelds betrifft, zB im Zuge von Schlaganfällen oder Hirntumoren).
  • 0,3 in Verbindung mit einer Hemianopsie beträgt (=Ausfall des Sehsinns, der die Hälfte des Gesichtsfelds betrifft).
  • 1,0 in Verbindung mit einer röhrenförmigen Gesichtsfeldeinschränkung beträgt.

Als blind gilt: wer am besseren Auge mit optimaler Korrektur einen Visus hat, der kleiner oder gleich…

  • 0,02 ohne Gesichtsfeldeinschränkung beträgt.
  • 0,03 in Verbindung mit einer Quadrantenanopsie beträgt.
  • 0,06 in Verbindung mit einer Hemianopsie beträgt.
  • 0,1 in Verbindung mit eine röhrenförmigen Gesichtsfeldeinschränkung beträgt.

Sehbehinderung nach Sozialministeriumservice

Auch der Sozialministeriumservice, zuständig u.a. für die Feststellung des Grades der Behinderung und die Ausstellung des Behindertenpasses, hat eine Einschätzung von Sehbehinderung im Kapitel 11.02 „Sehstörungen“. Hier wird anhand der Sehschärfe und anhand der Ausfälle des Gesichts- und Blickfeldes ermittelt, welcher Grad der Behinderung eine Person zugesprochen wird. Der Grad der Behinderung wird in Prozent angegeben. Je weiter der Visus, also die Sehschärfe unter dem Normwert (1,0) ist, desto höher wird der Grad der Behinderung eingeschätzt. Bei der Einteilung kann auch die jeweilige Augenerkrankung eine zusätzliche Rolle spielen. Die Einteilung ist eher komplex, weshalb wir empfehlen, ein Beratungsgespräch in Anspruch zu nehmen. Unser Beratungsteam kann auch gleich beim Ansuchen eines Behindertenpasses behilflich sein.

Warum ist eine Einstufung wichtig?

Eine Bestimmung des Sehvermögens ermöglicht es Menschen mit einer Sehbehinderung Zugang zu verschiedenen Sozialleistungen zu erlangen. Dadurch wird es zum Beispiel möglich, für Hilfsmittel und deren Finanzierung anzusuchen oder finanzielle Unterstützung bei Arbeitsunfähigkeit zu erlangen.