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Wie barrierefrei geht Lebensmittel online einkaufen?

Barrierefreiheit

Eine Studie im Rahmen einer Masterarbeit hat die Barrierefreiheit fünf großer Online-Lebensmittelshops geprüft. Wer Lebensmittel online einkauft, stößt auf digitale Barrieren.

Blinde und sehbehinderte Menschen sind bei ihrem Einkauf im Supermarkt oft auf Unterstützung angewiesen. Lebensmittel online zu bestellen wäre deshalb eine praktische Möglichkeit, um selbstbestimmt einkaufen zu können. Doch gerade im Online-Handel ergeben sich viele digitale Barrieren. Das zeichnet sich auch in einer Analyse im Rahmen einer Masterarbeit zum Thema "Inklusivität im Online-Handel: Eine Analyse der digitalen Barrierefreiheit von Lebensmittelhändler:innen in Österreich im Kontext des European Accessibility Act" ab. Betriebswirtschaftsstudentin Katharina Herzog hat die digitale Barrierefreiheit der großen österreichischen Onlineshops für Lebensmittel unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse der Analyse, basierend auf den fünf größten Online-Supermärkten (Billa.at, Interspar.at, AmazonFresh.at, Alfies.at, Gurkerl.at), verdeutlichen erhebliche Defizite in der digitalen Barrierefreiheit.

Die Ergebnisse

Die Analyse erfolgte mithilfe der Software "Total Validator", welche alle Seiten des jeweiligen Online-Shops auf Fehler in der digitalen Barrierefreiheit untersucht und mit qualitativen Experteninterviews abgerundet. Das Ergebnis: bei den Onlineshops der Lebensmittelhändler Billa, Alfies und Gurkerl findet sich keine Seite ohne Fehler. Amazon Fresh weist auf 85 % der Seiten Fehler auf. Interspar schneidet hier am besten ab. Nur rund 7 % der analysierten Seiten enthalten Fehler in der Barrierefreiheit.

Weiters wurde erhoben, wieviele der 13 Barrierefreiheits-Richtlinien (nach WCAG 2.1) von den Onlineshops verletzt wurden: demnach weisen Alfies und Interspar Fehler in 6 von 13 Richtlinien auf, Billa verletzt 7 von 13 Richtlinien und sowohl Gurkerl als auch Amazon Fresh verletzen 8 der 13 Richtlinien für digitale Barrierefreiheit.

Daniele Marano wurde im Zuge der Analyse als Experte für digitale Barrierefreiheit befragt: „Ein Spar, ein Billa, ein Gurkerl, […] haben nicht so strenge Vorgaben, das finde ich bedauerlich. Ich finde, jedes Unternehmen mit einem Web-Auftritt […] sollte verpflichtet sein, Barrierefreiheit einzuhalten.“

Was sind nochmal die WCAG-Richtlinien?

Damit das Web von allen Menschen unabhängig von einer Beeinträchtigung verwendet werden kann, gibt es internationale Richtlinien. Die "Web Accessibility Initiative (WAI) Web Content Accessibility Richtlinien (WCAG) 2.1." sollen einen barrierefreien Zugang gewährleisten. Den vier Prinzipien der WCAG 2.1 (Wahrnehmbar, Bedienbar, Verständlich, Robust) sind 13 Richtlinien zugeordnet, welche die Grundziele für die Erstellung barrierefreier Webinhalte bilden.

Die häufigsten Fehler

Hier eine Aufstellung der häufigsten Fehler, die insbesondere für blinde und sehbehinderte Nutzer:innen zur Barriere beim digitalen shoppen werden:

  • Fehlen von Alternativtexten für Bilder
  • Fehlen von Beschriftungen für Steuerelemente
  • Probleme mit der Verschachtelung von Überschriften

Diese Fehler beinträchtigen die Wahrnehmbarkeit und Bedienbarkeit der Webseiten erheblich, insbesondere für blinde und sehschwache Personen, die auf Bildschirmlesegeräte und andere assistive Technologien angewiesen sind.

Was die Analyse nicht messen konnte

Mit der Software konnten zwar einzelne Seiten unter die Lupe genommen werden, allerdings keine Prozesse. Ob man also etwa bei der Registrierung oder beim Bezahlvorgang auf Barrieren stößt, lässt sich mit der Software nicht feststellen und bedarf eines manuellen Tests. Gerade Bezahlvorgänge verlaufen oft über wenige große Drittanbieter. Digitale Barrieren sind gerade bei diesen aber besonders hoch. Daraus lässt sich schließen, dass sich vermutlich noch mehr digitale Barrieren für behinderte Nutzer:innen ergeben.

Fazit: Nachholbedarf für Online-Shops von Lebensmittelhandel

Insgesamt zeigt die Studie, dass der Online-Lebensmittelhandel in Österreich dringenden Handlungsbedarf hat, um die digitale Barrierefreiheit zu gewährleisten. Eine inklusive Gestaltung von Online-Shops ist nicht nur eine rechtliche Verpflichtung, sondern auch eine ethische Notwendigkeit, um gleichen Zugang und Möglichkeiten für alle zu ermöglichen. Gerade für blinde und sehbehinderte User:innen wäre der Online-Handel eine praktische Alternative, allerdings nur wenn der Einkauf barrierefrei möglich ist. Hier haben die großen Lebensmittelhändler:innen in Österreich noch Aufholbedarf.

Warum sich viele Unternehmen nicht um digitale Barrierefreiheit bemühen und welche Maßnahmen Unternehmen für mehr Barrierefreiheit unternehmen sollen, hat Katharina Herzog in einem Blogbeitrag zusammengefasst.

Reaktion

BILLA hat aufgrund des Blogbeitrages folgendes angeboten:
Betroffene können sich jederzeit gerne bei BILLA melden, wenn es spezifische Probleme bei der Bedienung und Barrierefreiheit des BILLA Online Shops gibt: Mag.a Sandra Edelmann, Senior Managerin Diversity & Inclusion, s.edelmann@billa.at

Blogbeitrag "Warum Unternehmen nicht mehr für digitale Barrierefreiheit machen"