Unsere Mitglieder erzählen

Mittwoch, 17. Juni 2020 - 11:42

Im Gespräch mit Céleste

Unsere Mitglieder sind das Herz der Hilfsgemeinschaft. Über 4.600 Menschen mit einer starken Sehbeeinträchtigung dürfen wir mit unseren Angeboten unterstützen. Hier am Blog wollen wir unsere Mitglieder vorstellen und sie zu Wort kommen lassen.

Heute ist unser Mitglied Céleste im Interview.

Erzählen Sie uns ein bisschen über sich: Wie alt sind Sie, wo leben Sie, was machen Sie beruflich, was haben Sie für Hobbies?

Ich bin 47 Jahre alt, wohne in Wien Oberlaa und bin derzeit auf der Suche nach einer Stelle als Sekretärin bzw. Office Managerin. Eigentlich bin ich gebürtige Engländerin, als Kind habe ich in Australien gelebt und bin mit 21 Jahren wieder nach London zurückgekehrt. Vor fast 20 Jahren habe ich meinen Ehemann Peter kennengelernt und bin nach Wien gezogen.
In meiner Freizeit bin ich gerne draußen unterwegs zum Wandern und Nordic Walking und lerne gerne neues kennen. Außerdem lese ich gerne und interessiere mich für Kultur, Geschichte und Buddhismus.

Welche Art von Sehbehinderung haben Sie und seit wann?

Ich habe X-Linked Retinitis Pigmentosa, eine erbliche Augenerkrankung, die eine Zerstörung der Sinneszellen der Netzhaut (Retina) zur Folge hat. Seit Geburt an habe ich ein Astigmatismus im rechten Auge. Im Jahr 2015 wurden mir die Symptome der genetischen Augenerkrankung offiziell im AKH bestätigt.

Was ist hilfreich für Sie bzw. wie und wo finden Sie Unterstützung?

Eine ausführliche Beratung und Betreuung und die richtigen Hilfsmittel sind sehr wichtig. In meiner Situation war der Erhalt des Behindertenpasses essenziell. Damit sind Unterstützungen wie die Arbeitsassistenz, das Jobcoaching und das Mobilitätstraining erst möglich.
Soziale Organisationen wie die Hilfsgemeinschaft unterstützen mich bei diesen Themen.

Seit wann sind Sie Mitglied der Hilfsgemeinschaft und wie konnte Sie die Hilfsgemeinschaft unterstützen?

Seit Dezember 2016 bin ich Mitglied der Hilfsgemeinschaft. Ich nahm die Low-Vision Beratung in Anspruch. Danach wurde ich auch bei der Finanzierung der technischen Hilfsmittel unterstützt. Mein Antrag für den Behindertenpass wurde leider abgelehnt. In der Coronakrise unterstütze man mich mit einer zeitkritischen Stellungnahme für meinen Behindertenpass und den Feststellungsantrag.

Wie war der Alltag für Sie während der Coronakrise? Hat sich viel für Sie verändert?

Meine Augenerkrankung hat sich von 2019 auf 2020 deutlich verschlechtert. In dieser Phase musste ich mich neu orientieren und mich endlich mit dem weißen Stock befassen. Die Coronakrise verdeutliche mir das nochmal sehr stark.

„Social Distancing“ war für mich unmöglich, sodass mein Mann sämtliche Einkäufe erledigen und mich überall hinbegleiten musste. Ich fühlte mich eingesperrt.

Da ich keine kennzeichnenden Hilfsmittel oder einen weißen Stock hatte, traute ich mich nicht, allein außer Haus zu gehen.
Momentan mache ich ein Mobilitätstraining und werde auch einen weißen Stock bekommen. Dann kann ich wieder eigenständiger sein.

Unser Mitglied Céleste sitzt mit einer Kaffeetasse in der Hand auf einem Balkon. Sie trägt dunkle Kleidung und hat dunkles Haar. Auf dem Balkon steht ein 2. Stuhl, einige Pflanzen und Gießkannen.
Céleste sitzt am Balkon

Was ist ein großer Traum oder Wunsch, ein Ziel in Ihrem Leben?

Ich werde erst sagen können, dass ich erfolgreich mit meiner Augenerkrankung zurechtkomme, wenn ich wieder im Arbeitsleben stehe.
Außerdem wünsche ich mir, endlich meine Nichten und Neffen aus Australien persönlich kennenzulernen.

Gibt es etwas, das Sie anderen Menschen mit Sehbehinderung sagen wollen?

Definiere deine eigene Grenze – lass niemanden dich eingrenzen.
Meine Mentorin sagt immer „Kämpfen, Kämpfen, Kämpfen“ – gib niemals auf!
Wir sind nie allein und die Hilfsgemeinschaft verkörpert diesen Grundsatz. Sie bieten uns Hilfe in Not.
Es gibt viele von uns, die sich allein, isoliert und abhängig fühlen. Es ist eine Tatsache, dass wir in manchen Bereichen Hilfe benötigen. Aber jeder von uns ist voneinander abhängig. Wir sind ein Teil im Kreis des Lebens. Wir brauchen einander. Jeder von uns hat Lebenszwecke, Lebensaufgaben, Talente und Perspektiven – einfach etwas anzubieten. Zusammen sind wir stark.

Traue dich um Hilfe zu bitten. Die Mitarbeiter von der Hilfsgemeinschaft sind immer für Sie da – besonders in harten Zeiten.