Unsere Mitglieder erzählen

Dienstag, 3. September 2019 - 8:06

Alexandra Schätz im Gespräch mit Franz Haider

Unsere Mitglieder sind das Herz der Hilfsgemeinschaft. Über 4.600 Menschen mit einer starken Sehbeeinträchtigung dürfen wir mit unseren Angeboten unterstützen. Hier am Blog wollen wir unsere Mitglieder vorstellen und sie zu Wort kommen lassen.

Heute ist unser Mitglied Franz Haider im Interview mit Alexandra Schätz.

Ein Mann steht mit neongelben T-Shirt und drei Medaillen um den Hals in einem Stadion. Er hält den erhobenen Daumen in die Kamera.
Franz Haider bei der Österreichischen Meisterschaft für Blinde und Sehbehinderte in Innsbruck, Copyright: Franz Haider

Erzählen Sie uns ein bisschen über sich: Wie alt sind Sie, wo leben Sie, was machen Sie beruflich, was haben Sie für Hobbies?

Ich bin 47 Jahre alt und wohne in Alt-Nagelberg. Das ist im Bezirk Gmünd im Waldviertel. Ich bin gelernter Fleischhauer und Koch, aber seit zwei Jahren in Frühpension. Diese genieße ich mit meiner Frau und unserer 14 Jahre alten Tochter. Die meiste Zeit verbringe ich jedoch in der Natur und mit meinem Hobby, dem Sport.

Wie sind Sie zum Sport gekommen?

Bereits als Kind habe ich schon immer viel Sport gemacht. Mein größtes Steckenpferd ist der Fußball. Bevor meine Sehkraft stark nachgelassen hat, war ich 25 Jahre aktiver Spieler. Danach war ich als Trainer tätig. Aufgrund meiner Augenerkrankung war dies letztlich nicht mehr möglich. Über den Laufsport, mit dem ich bereits als Sehender gute Erfolge verzeichnen konnte, bin ich dann zur Leichtathletik gekommen. Sport nimmt einen sehr großen Stellenwert in meinem Leben ein. Ich würde mich sogar als sportsüchtig bezeichnen.

In Österreich gibt es für blinde und sehschwache Menschen diverse Meisterschaften. Daran nehme ich teil und trainiere dafür auch regelmäßig. Zweimal in der Woche mache ich Krafttraining, täglich gehe ich im Wald spazieren und lege damit jährlich ca. 2000 Kilometer zurück. Meistens bin ich alleine unterwegs. Ich habe meine Anhaltspunkte an denen ich mich gut orientieren kann. Für meine Teilnahme an den Meisterschaften trainieren ich mit einem eigenen Trainer in Gmünd, der mir die richtige Lauf- und Kugeltechnik erklärt und zeigt.

Anmerkung: Dieses Jahr hat Franz Haider bei der Österreichischen Meisterschaft für Blinde und Sehbehinderte in Innsbruck teilgenommen und gleich Silber im Kugelstoßen und im 100-Meter-Lauf gewonnen. Im Sprint über 200 Meter stellte er mit 28,17 Sekunden eine persönliche Bestleistung auf und holte sich damit die Goldmedaille.

Welche Art von Sehbehinderung haben Sie und seit wann?

Die ersten Sehprobleme begannen 2006. Der allmähliche Sehverlust kam schleichend. Meine Augenerkrankung nennt sich Red Dystrophy bzw. Zäpfen-Stäbchen-Dystrophie, bei der es zum Absterben der Zäpfchen und Stäbchen kommt, die für scharfes Sehen verantwortlich sind. Dazu kam dann noch eine trockene Makula-Degeneration. Heute habe ich ein Sehvermögen von fünf Prozent. Doch es gibt auch gute Nachrichten. Mein behandelnder Arzt hat mir gesagt, dass meine Augenerkrankung mich nicht vollkommen erblinden lassen wird. Ein kleiner Rest an Sehvermögen wird mir bleiben.

Was ist hilfreich für Sie?

Im Alltag helfen mir diverse Hilfsmittel wie ein Lesegerät mit Vorlese- und Vergrößerungsfunktion. Vor allem die Mitarbeiterinnen aus der Beratungsabteilung der Hilfsgemeinschaft sind immer eine große Hilfe. Frau Gollner und Frau Kastenhofer haben mich immer enorm unterstützt. Momentan absolviere ich ein Mobilitätstraining. Dabei kann ich so viel lernen und gleichzeitig macht es auch sehr viel Spaß. Wenn ich damit fertig bin, mache ich, schon vorrausschauend, die Prüfung mit Langstock.

Was ist ein großer Traum oder Wunsch, ein Ziel in Ihrem Leben?

Neben dem Sport ist mein großer Wunsch bzw. mein nächstes Ziel ein Blindenführhund. Um mir diesen Traum, der für mich mehr Selbstständigkeit bedeutet, zu erfüllen, beginne ich nächstes Jahr eine Blindenhundeausbildung. Und natürlich Gesundheit für meine Familie und mich. Das ist sowieso das Allerwichtigste!

Gibt es etwas, das Sie anderen Menschen mit Sehbehinderung sagen wollen?

Man darf nie aufgeben! Immer positiv denken und nach vorne schauen. Ich sage immer: Wie man in den Wald hineinschreit, so kommt es auch zurück. Man muss einfach das Beste aus seinem Leben machen.