Flanieren in Wien

Dienstag, 28. August 2018 - 8:56

Ein Blogbeitrag von: Gabriele Frisch

Mehr Komfort und Sicherheit beim Zu-Fuß-Gehen durch die Stadt

Die Wienerinnen und Wiener sind in ihrer Stadt gerne zu Fuß unterwegs. Inzwischen werden mehr Wege per pedes (28 Prozent) zurückgelegt als mit dem Pkw (27 Prozent). Seit Mitte der 1990er-Jahre sinkt der Anteil des Autoverkehrs, während Öffis und Drahtesel als Verkehrsmittel auf dem Vormarsch sind. Komfort und das Gefühl von Sicherheit sind wichtige Aspekte, wenn es darum geht, wie Strecken zurückgelegt werden.

Die Mobilitätsagentur Wien hat zur Förderung des Fußverkehrs eine eigene Fußwegekarte herausgebracht und die „Wien zu Fuß“- App entwickelt (siehe www.wienzufuss.at). Sieben Flaniermeilen durch die Stadt wurden definiert, von denen einige fertig ausgearbeitet und streckenweise auch schon ausgestaltet sind. Passionierte Flaneure können bereits jetzt zwei bezirksübergreifende Routen nutzen: Route 1 verbindet die Bezirke 10, 4, 1 und 2 und führt vom Reumannplatz über den Hauptbahnhof, den Stephansplatz und den Praterstern zum WU Campus. Route 2 führt von der Wiedner Hauptstraße über die Stiftgasse, die Lange Gasse und das Alte AKH bis zum Kutschkermarkt und verbindet die Bezirke 18, 9, 8, 7, 6 und 4. Bis 2025 sollen sämtliche Flaniermeilen fertig sein. Alle sieben Routen werden Knotenpunkte des öffentlichen Verkehrs, Einkaufsstraßen, Fußgänger- und Begegnungszonen, attraktive Viertel und kulturelle Zentren miteinander verbinden.

Viele Menschen gehen auf der belebten Fußgängerzone Mariahilferstraße spazieren, Copyright: MA28/Christian Fürthner
Die „MaHü“ ist Teil der projektierten Flaniermeile Nr. 7, Copyright: MA28/Christian Fürthner

Finanzierung

Projektierung und schrittweise Ausgestaltung erfolgen gemeinsam mit den Bezirksvertretungen, die 20 Prozent der Kosten tragen, 80 Prozent finanziert die Stadt. Bauliche Maßnahmen spielen eine große Rolle: z. B. breitere Gehsteige, Gehsteigvorziehungen („Ohrwaschel“) oder Fahrbahnaufdoppelungen, also Erhöhungen der Fahrbahn auf Gehsteig-Niveau, die das Queren der Straße erleichtern sowie Tempo-30-Zonen, Fußgänger- und Begegnungszonen. Für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen werden Ampelanlagen mit Blindenakustik ausgestattet und laufend neue taktile Bodenleitsysteme angebracht.

Fachwissen

Maria Grundner von der Mobilitätsagentur Wien bringt ihr Know-how bei der barrierefreien Gestaltung der Flaniermeilen ein. Die Ingenieurin verfügt über großes Fachwissen zum Thema barrierefreies Bauen und hat dazu schon einiges publiziert. Da sie selbst einen Rollstuhl benutzt, fließen sowohl Expertise als auch persönliche Betroffenheit in ihre Arbeit ein. Gemeinsam mit der WKO und dem Wirtschaftsministerium hat sie bereits 2015 eine Broschüre über Barrierefreiheit im öffentlichen Raum für Gewerbetreibende verfasst. Darin finden sich viele nützliche – auch technische – Informationen zur Nutzbarkeit von Gehsteigen. Taktile Bodenleitsysteme, die von blinden Menschen zur Orientierung benötigt werden, dürfen z. B. nicht durch Warenausräumungen, Werbetafeln oder Schanigärten verstellt werden. Deshalb gibt es Tipps und praktische Beispiele anhand von Skizzen sowie Empfehlungen, die leicht in die Praxis umzusetzen sind.

Expertin Maria Grundner trägt ein orangenes Kleid mit weißem Blazer und sitz in einem Rollstuhl.
Expertin Maria Grundner legt Wert auf Barrierefreiheit

„Flaniermeilen verbessern die Qualität des Fußgängerverkehrs. Damit sie als attraktive Gehrouten wahrgenommen werden, bieten sie Verweilmöglichkeiten und Sitzgelegenheiten, verbreiterte Gehsteige und komfortable Querungen. In Kreuzungsbereichen werden z. B. die Ampelschaltungen für zu Fuß Gehende optimiert und auch die Beleuchtung wird verbessert. Für Personen mit Kinderwägen, Rollatoren, Trolleys und natürlich auch Rollstühlen werden die Oberflächen so gebaut, dass sie gut befahrbar sind“, erklärt Maria Grundner.

Kreativität

Derzeit wird darüber nachgedacht, wie eine eindeutige Kennzeichnung der Routen aussehen soll. Bislang wurden 20 Fußgänger-Infostellen errichtet, die Auskunft geben über öffentliche Durchgänge, Umgebung, attraktive Ziele usw. „Wir sind für kreative Ideen offen“, meint Grundner, die auch gerne persönlich für Anregungen zu den Flaniermeilen zur Verfügung steht.

Kontakt
Maria Grundner
Tel. 01/ 4000 49900
E-Mail: office[at]mobilitaetsagentur[dot]at