Einblicke in die Arbeit der Hilfsgemeinschaft

Donnerstag, 4. Januar 2018 - 11:34

Stellvertretender Vorstandsvorsitzender Mag. Klaus Höckner

Ein Blogbeitrag von: Alexandra Schätz

Viele kennen die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen durch persönliche Beratungsgespräche, diverse Veranstaltungen und Projekte. Ein ganz wesentlicher Teil unserer Arbeit findet jedoch abseits der Öffentlichkeit statt. In regelmäßigen Abständen gewähren wir Einblicke in die Arbeitspraxis der Hilfsgemeinschaft und stellen wichtige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor. Heute erzählt uns Mag. Klaus Höckner von seiner Arbeit als stellvertretender Vorstandsvorsitzender.

Barrierefreier Zugang

Neben unserer Beratungstätigkeit machen wir uns für die Umsetzung und Realisierung von Gesetzen und Standards für den barrierefreien Zugang zu allen Lebensbereichen von Menschen mit Behinderungen, insbesondere natürlich von Menschen mit visuellen Einschränkungen, stark. Um Barrierefreiheit auf allen Ebenen umsetzen zu können, ist vorerst die gesetzliche Verankerung von Rechten von Menschen mit Behinderung essentiell. „Wir müssen dort mitarbeiten, wo Gesetze gemacht werden“, erklärt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Klaus Höckner. Deswegen arbeitet die Hilfsgemeinschaft in internationalen Dachorganisationen wie CEN/CENELEC/ETSI oder ISO - dies sind europäische und internationale Dachorganisationen von Normungsorganisationen - und nimmt regelmäßig an Tagungen und Treffen von Arbeitsgruppen teil. Wesentlich ist ebenso die Zusammenarbeit mit unabhängigen NGOs wie dem European Disability Forum, welche die Interessen von 80 Millionen Europäerinnen und Europäern mit Behinderung in Brüssel, vor allem gegenüber der Kommission der EU, vertritt. „Es ist wichtig auf europäischer Ebene tätig zu sein, damit diese eine klare Botschaft an Unternehmen sendet und sie zu barrierefreien Standards verpflichtet“, erzählt Klaus Höckner weiter.

Klaus Höckner possiert mit einer Gruppe von Menschen beim European Disability Forum in Brüssel.
Klaus Höckner beim European Disability Forum in Brüssel.

Das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben

„Es gilt über den Tellerrand zu schauen und „Disability“ durch „Ability“ zu ersetzen. Nicht die Behinderung sollte im Vordergrund stehen, sondern die Fähigkeiten von Menschen mit Behinderungen.“ Schätzungen gehen davon aus, dass ab 2025 rund ⅕ der Bevölkerung von einer Behinderung betroffen sein wird. Angesichts der immer stärkeren Digitalisierung des täglichen Lebens und der damit verbundenen Abhängigkeit, ist es unsere Aufgabe, blinden und sehschwachen Menschen die Möglichkeit zu geben, weiterhin ein selbstbestimmtes Leben zu führen und die Zugänglichkeit im Alltag zu gewährleisten. Das beinhaltet banale Dinge wie den Bau und die Bedienung von Bankomaten, die Planung von Gebäuden, oder den Gebrauch von Waschmaschinen. „Die Inklusion und Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderung hilft zudem allen Menschen, denn oft geht durch die herrschenden Barrieren großes Potenzial verloren.“

Bewusstseinsbildung

Diese Aufgaben führen den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden regelmäßig nach Brüssel, wo er sich für die Bewusstseinsbildung von Menschen mit Behinderung einsetzt und deren Rechte einfordert. Dabei bewegt er sich in einem Spannungsfeld, denn „Nichtbetroffene können die Anliegen betroffener Menschen oft nicht nachvollziehen.“ In dieser Beziehung hilft es Klaus Höckner, der bereits seit 1998 für die Hilfsgemeinschaft tätig ist, in der EDV ständig mit Hilfsmitteln konfrontiert zu sein. Der studierte Wirtschaftsinformatiker war ursprünglich für den Aufbau der EDV und die Datenbankerstellung in der Hilfsgemeinschaft verantwortlich und ist seit Mai 2016 als stv. Vorstandsvorsitzender tätig, sowie seit April 2017 Vizepräsident bei der OCG (Österreichische Computer Gesellschaft). Als Mitglied des Präsidiums des Österreichischen Behindertenrates - der Dachorganisation für Organisationen von Menschen mit Behinderungen in Österreich - sowie des Vorstands des Vereins Accessible Media, ist er ebenfalls in diesem Bereich tätig. Die Motivation für seine spannende, aber oft auch nervenaufreibende Arbeit, findet er in der Tätigkeit selbst: „Mir ist es wichtig etwas zu tun, von dem ich glaube, dass es gut und sinnvoll ist.“ Blinde und sehschwache Menschen dabei zu unterstützen, ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben zu führen, gehört für uns auf jeden Fall dazu.