Blinder Blogger Per Busch

Mittwoch, 10. Januar 2018 - 13:20

Ein Blogbeitrag von: Alexandra Schätz

Immer mehr Menschen bloggen und lassen uns damit an ihrem Leben teilhaben. Die Eindrücke die wir dadurch gewinnen, sind oft inspirierend und geben Anlass, die eigenen Vorurteile und Verhaltensmuster, zu hinterfragen. Im Blogroll stellen wir engagierte Menschen vor, die uns ermutigen und uns zum Nachdenken bringen. Heute stellen wir Per Busch von #dubistblind vor.

Unter dem Hashtag „du bist blind“ schreibt Per Busch aus Kassel, mit viel Humor und Selbstironie, über seine Blindheit und den Umgang damit. Er selbst erblindete mit 24 Jahren vollkommen. Wie die Smileys in seinem Banner zeigen – „weil die armen Sehenden ja immer was zum Anschauen brauchen“ – spiegeln die Inhalte seiner Texte die Emotionen Freude, Traurigkeit und Überraschung wider. Mit diesen drei einfachen Worten ist der Blog von Per schon sehr treffend beschrieben. Mit kurzen Anekdoten zeigt er auf humorvolle Weise, mit welchen Problemen blinde Menschen konfrontiert werden und welche Gemeinsamkeiten sich daraus ergeben.
Mit seinem Blog möchte Per nicht nur Vorurteile abbauen, sondern auch Berührungsängste nehmen. Was ihn dabei inspiriert erfahrt ihr in unserem Interview.

Wie kamst du dazu einen Blog zu schreiben?

Ich wollte die vielen #Dubistblind-Sätze, die ich seit letzten Sommer bei Twitter und Facebook geschrieben und gesammelt habe, etwas sortiert auf einer Website zusammenbringen. Ein kostenloser WordPress-Blog eignet sich dafür, weil dieser auch blind einigermaßen gut bedienbar ist. Außerdem finde ich es schön, eine Möglichkeit zu haben, deutschsprachige Blogs und Websites anderer blinder Menschen im Blogroll auf dubistblind.wordpress.com zu sammeln.

Mir fällt es oft schwer, komplexe Zusammenhänge in einem längeren Fließtext darzustellen. Daher mag ich die neuentdeckte Möglichkeit, Gedanken und Beobachtungen in einzelnen Sätzen auf den Punkt gebracht, zu verdichten.
Sozusagen wie ein eigenes Stilmittel. Auf die Idee für diese Miniaturen kam ich unter anderem durch die Kompaktheit der Kurzbeiträge bei Twitter und Domingos de Oliveira aus Bonn, der mich mit einigen seiner Tweets zum Thema Blindheit inspirierte.

Per Busch sitzt mit seinem Hund Peggy auf einer Parkbank, Copyright: Per Busch.
Per Busch mit seinem Hund Peggy, Copyright: Per Busch.

Was bedeutet dir der Blog?
Mein Blog bietet mir vor allem eine Möglichkeit kreativ zu sein. Ich selbst würde das Ergebnis in vielen Bereichen verorten: irgendwo zwischen Selbsthilfe und Öffentlichkeitsarbeit, zwischen Infotainment und Story Telling, zwischen Rätselraten und Perspektivenwechsel, zwischen lachen und weinen, zwischen Selbstdarstellung und Spielerei, zwischen Privatprojekt und Community.

Was inspiriert dich?
Mich inspirieren andere Menschen, Gelesenes und Erlebtes. Viele meiner Gedanken kommen mir bei einsamen Waldspaziergängen.

Welche Reaktionen gab bzw. gibt es auf deinen Blog? Positive oder negative Erlebnisse?
Die Reaktionen waren bisher stets positiv, manchmal fast schon enthusiastisch. Das hat mich sehr zum Weitermachen motiviert! Viele Rückmeldungen waren aber nur allgemein. Ich weiß also leider kaum, welche Sätze den Lesern am besten gefallen und welche eher nicht. Ich würde mir wünschen, konkreteres Feedback zu bekommen. Was ist besonders gut? Was ist unverständlich, falsch oder gefällt aus anderen Gründen nicht? Eine von anderen getroffene Auswahl der besten Sätze wäre eine spannende und hilfreiche Rückmeldung für mich!

Bei Facebook befürchtete eine blinde Frau, dass sehende Leser vielleicht nicht immer die Satire und Ironie in meinen Sätzen bemerken, sondern sich nur in ihren Vorurteilen bestätigt fühlen könnten. Solch armen Menschen kann aber leider sowieso niemand helfen. Es wundert mich, dass es ansonsten bislang keine weitere Kritik gab.
Schließlich ist die Blindheit für jeden Betroffenen eine sehr persönliche Angelegenheit und da mag man es nicht unbedingt, wenn andere darüber verallgemeinernde Aussagen treffen, oder Witze machen. Manch harte Wahrheit über die Blindheit möchte man im täglichen Leben auch lieber verdrängen, weil man sonst ständig schlechte Laune hätte.

Mein bisheriger Lieblingskommentar stammt übrigens von einer sehenden
Leserin: „Ich muss lachen und weinen gleichzeitig.“

Vielen Dank für das Interview!