Workshops zur sehbehindertenspezifischen Pflege

14.09.2016

Ein Blogbeitrag von: Petra Wrba (Mitarbeiterin der Hilfsgemeinschaft, derzeit in Bildungskarenz)

Eine wichtige Fortbildung für Pflegepersonal

Die Hilfsgemeinschaft bietet seit vielen Jahren Sensibilisierungstrainings an, bei welchen man die Möglichkeit hat hautnah zu erleben, was es heißt eine Sehbehinderung zu haben oder blind zu sein. Seit einigen Monaten habe ich darauf aufbauend Workshops zur sogenannten „Sehbehindertenspezifischen Pflege“ abgehalten. Dabei hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit diese spannende Art der Selbsterfahrung zu vertiefen.

Im Rahmen eines solchen Workshops werden verschiedene Problemfelder, welche die Pflege von sehbeeinträchtigten Patientinnen und Patienten mit sich bringen, erarbeitet. Neben dem theoretischen Input mittels einer Powerpoint-Präsentation kommen selbstverständlich auch Praxisübungen nicht zu kurz. So soll den Teilnehmenden ermöglicht werden in den Spitalsalltag sehbeeinträchtigter Patientinnen und Patienten einzutauchen, um in Zukunft bestmöglich auf deren Pflegebedarf eingehen zu können. Dabei finde ich es enorm wichtig, dass auf eine unterschiedliche Herangehensweise bei sehbeeinträchtigten Patientinnen hingewiesen wird.

Die Vorträge haben mir besonderen Spaß gemacht - nicht zuletzt wegen der vielen spannenden Erfahrungen, welche die Teilnehmenden bei den Praxisübungen sammeln konnten und mir im Anschluss davon berichteten. Daran konnte man erkennen, wie sehr die Teilnehmenden mit vielen überraschenden Situationen konfrontiert waren.

Das Glas ist plötzlich weg

Eine Meldung, die ich nie vergessen werde, war bei einer Übung zum Thema „Kontrastreiche Gestaltung des Spitalsalltags“. Die Teilnehmenden hatten dabei die Möglichkeit mit den mitgebrachten Simulationsbrillen zwei verschiedene Arten von Geschirr-Tabletts mit unterschiedlichem Untergrund, bzw. unterschiedlich kontrastreichem Geschirr zu vergleichen. Dabei stellte eine Teilnehmerin ganz erschrocken fest: „Das Glas ist ja plötzlich weg!“. Aufgrund der simulierten Sehbehinderung konnte sie das Glas nicht mehr vom Untergrund unterscheiden, sehr wohl aber einen dunklen Trinkbecher, der auf einem hellen Untergrund stand.

Viele berichteten auch bei einer Hauserkundung mittels Langstock und Augenbinde, dass sie die Orientierung beim Entlanggehen eines Ganges sehr leicht verloren, obwohl sie diesen von ihrer täglichen Arbeit ganz genau gekannt hatten.

Dies war nur ein kleiner Einblick in die bisherigen Schulungen und in das große Feld der „Sehbehindertenspezifische Pflege“ um eine Idee zu bekommen was dies überhaupt bedeutet.

Da ich mich in den nächsten Monaten nun selbst fortbilden werde, freut es mich, diesen interessanten Bereich an meine Kollegin Tanja Berlakowitz zu übergeben, wodurch diese essenzielle Fortbildung für Pflegepersonal weiterhin ermöglicht wird.

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